Kane und Lynch zurück, diesmal in Shanghai. 2007 erschien mit Kane & Lynch: Dead Men ein etwas Actionspiel der etwas anderen Sorte.
Um die Story kurz wieder aufzugreifen, damals begleitete man den Söldner Kane bei der Aufgabe, seine Familie aus den Klauen seiner alten Auftraggeber „The7“ zu befreien. Um seine Familie am Leben zu erhalten musste Kane Aufträge seines ehemaligen Arbeitgebers annehmen. Überwacht wurde er dabei von dem schizophrenen Psychopaten Lynch, der regelmäßig Bericht über die ordnungsgemäße Durchführung des Auftrags erstatten musste. Das das Verhältnis der beiden Ganoven nicht gerade das Beste ist und auf gegenseitiges Misstrauen basiert, sollte spätestens jetzt klar sein. Hinzu kommen auch die unberechenbaren Ausraster Lynch‘s, die eine scheinbar harmlose Situation völlig aus dem Ufer laufen ließen.
In Kane & Lynch 2: Dog Days ist es diesmal anders. Um sich nach einem äußerst lokrativen Deal absetzen zu können, arbeiten die beiden zusammen und ziehen am selben Strang. Doch es läuft anders als geplant und auf einmal ist die ganze Stadt hinter den beiden her. Auf der Flucht aus Shanghai wird sie der Spieler begleiten.

Von Vornherein darauf eingestellt, auf ausweglose und packende Situationen wie im Vorgänger zu treffen, werde ich euch von meinen Spielerlebnissen in Kane & Lynch 2: Dog Days berichten. Zur Info, meine Erfahrungen basieren auf der PS3-Version des Spiels.
Also, ab gehts! Spiel wird eingelegt und gestartet. Bei der Menüführung fällt auf, dass es Aufgebaut ist wie bei einem DVD-Player. Es gibt einen Play-Button und einen Skip-Button, der ja bekanntlich zum Vorspulen geeignet ist. Play gedrückt, los gehts. Ich konnte noch zwischen vier verschiedenen Schwierigkeitsgraden wählen, Leicht, Mittel, Schwer und Extrem. Ich hab mich für Schwer entschieden, wir wollen es ja nicht gleich übertreiben. Im Intro seh ich gleich zwei bekannte Gestalten, die im Adamskostüm gefoltert werden und mit lauter Blut beschmiert sind, Kane und Lynch. Kurz darauf geht die Story zwei Tage zurück und ich sehe, wie Kane in Shanghai ankommt und von Lynch begrüßt wird. Meine Spannung ist geweckt, jetzt will ich wissen wie die beiden in diese Aussichtslose Situation geraten sind. Ich erfahre, dass wir noch kurz einen simplen Job erledigen müssen, bevor der Deal stattfinden kann. Jetzt komm ich endlich an die Reihe. Erste Neuerung, ich spiele Lynch, na das kann ja was werden.
Klar ist, an Action mangelt es dem Spiel nicht. Ich habe keine zwei Minuten gespielt, schon gerate ich in das erste Feuergefecht. Ein paar Spielminuten später erfahr ich dann die erste Enttäuschung des Spiels. Es macht überhaupt keinen Unterschied, ob ich jetzt Kane oder Lynch spiele. Wo sind die Ausraster und unberechenbare Handlungen Lynchs auf die ich mich wieder so gefreut habe? In den Zwischensequenzen wird es zwar angedeutet und in einigen sogar deutlich, dass Lynch ein Psychopath ist, beim Spielen merk ich davon allerdings leider nichts. Als hätten die Entwickler von IO Interactive völlig vergessen, dass sie gerade diesen Teil bei Kane & Lynch: Dead Men noch gut hinbekommen haben.
Wenigstens kann ich ballern was das Zeug hält und meine Gegner mit Handgranaten aus ihren Verstecken jagen. Schön wärs. Handgranaten gibt es im zweiten Teil leider genauso wenig, wie es Nahkampfangriffe gibt. Als Ersatz werden mir in Kane & Lynch 2: Dog Days jedoch Benzinkanister und Feuerlöscher geboten, welche nach dem draufschießen eine gewaltige Explosion erzeugen.
Ok, dass ist ein guter Ersatz für die Handgranaten, aber was ist mit den Nahkampfangriffen. Bei nahem Herantreten an den Gegner kann ich diesen lediglich als lebendiges Schutzschild benutzen und ihn bei Bedarf exekutieren, oder auf die Gegner werfen. Die Gegner interessieren sich jedoch häufig herzlich wenig, ob ich ihren Kameraden vor der Brust habe, sie schießen munter drauf los und ich muss mir eine neue Deckung suchen. Das Deckungssystem ist den Entwicklern teilweise echt gut gelungen, was bei so viel Schießereien auch von Vorteil ist. Dabei muss man sich geschickt von Deckung zu Deckung vorarbeiten und aufpassen, dass man sich nicht hinter Materialien versteckt, die leicht zu Zerstören sind. Jedoch auch bei der besten Deckung wurde ich unsinnigerweise ab und zu getroffen. Ob es göttliche Fügung war, dass die Kugel um die Ecke geflogen ist, oder einfach nur eine unausgereifte Kollisionsabfrage.
Abgesehen davon macht Kane & Lynch 2: Dog Days jedoch einen sehr positiven Eindruck auf mich. Die Atmosphäre der chinesischen Millionenmetropole wird durch die etlichen Leuchtreklamen, mit Neonlichtern versehene Häuserwände und verschachtelten Gängen gut widergespiegelt. Ich fühle mich mittendrin, nicht zuletzt auch durch die Kameraeinstellung. Dadurch wird das Gefühl vermittelt, dass ich ständig aus der Sicht eines Kameramanns auf das Geschehen blicke. Beim Rennen schwankt die Kamera hin und her und im strömenden Regen ist das Bild nicht immer klar und ich sehe die Stadt durch die Regentropfen auf der Linse teilweise nur noch verschwommen. Die Auflösung des Bildes lässt jedoch auf eine kleine Kamera schließen, denn mit einer Auflösung von 720p ist der Shooter seiner Konkurrenz weit hinterher. Schade auch, dass die Entwickler nicht dann wenigstens wie bei Mafia 2 an den Details der Kulisse gearbeitet haben, denn bei näherem Hinsehen gibt es nicht wirklich viel zum Entdecken. Gut nur, dass mir das Spiel nicht oft die Möglichkeit gibt, näher hinzusehen.
Dann mal weiter mit der Action, davon gibt es nämlich trotz weitgehend linearem Leveldesign genügend. Mit Kane an meiner Seite stürze ich mich in den Kampf und suche wieder schleunigst Deckung. Auffallend langsam und ohne jegliche Angst rennt Kane durch den Kugelhagel um es mir gleich zu tun. Unbeeindruckt von den vielen Kugeln, die ihn getroffen haben stürzt er sich weiter ins Gefecht. Fast ausschließlich ohne Pause wird munter weitergeballert. Es gibt allerdings kaum Abwechslung wie im ersten Teil, wo man noch aus einem fahrenden Van herausballern musste, oder sich in einer überfüllten Disco an den Feind herantasten musste. Die Stealth-Action kommt allgemein zu kurz, lediglich in einem Teil des Spiels muss ich nackt an den Feinden vorbeischleichen, danach wird aber wieder weitergeballert. Gegen Ende hin sorgt ein Abschnitt jedoch für Ablenkung aus dem Einheitsbrei, Helikopteraction mit einem Maschinengewehr. Meine anfängliche Spannung ist jedoch schon längst verflogen und ich spiele lediglich weiter, weil ich wissen will ob die beiden ihre Flucht überleben.
Das Spiel hat allerdings noch einen Ass im Ärmel. Der Koop-Modus. Hier könnt ihr die Kampagne mit einem Kumpel entweder über Splitscreen oder online noch einmal bewältigen. Einer spielt Kane und einer Lynch. Der Koop Modus ist echt gut gelöst und es macht Spaß, wieder mit einem Kumpel an der Seite zu ballern. Einzig die Einbindung des Mitspielers fehlt. Lediglich beim Öffnen von Türen, dem Überwinden von höheren Mauern oder wenn ich im Sterben liege wird die Hilfe des Mitspielers benötigt. Das ist schade, weil ich aus Army of Two noch anderes gewohnt war. Nichts desto trotz ist ein Spiel im Koop-Modus immer lustiger. Gut ist auch, dass im Koop-Modus die ganze Story bewältigt werden muss und keine eigens dafür entwickelte Handlung.
Allgemein hab ich eher das Gefühl, dass das Spiel mehr auf den Multiplayermodus setzt. Da haben die Entwickler nämlich alle Arbeit geleistet. Neben dem schon aus dem ersten Teil der Reihe bekannten Modus Fragile Alliance, stehen noch zwei weitere zur Verfügung. Undercover Cop und Räuber und Gendarm. Letzteres ist mehr als Team Deathmatch zu verstehen.
Bei Fragile Alliance geht es immer darum, in ein Gelddepot einzudringen, es auszurauben und sich mit der Beute aus dem Staub zu machen. Leichter gesagt als getan, denn die Entwickler haben sich noch einige Feinheiten überlegt. So kann es während dem Raubzug hin und wieder vorkommen, dass ein geldgieriger Gauner sich umdreht, seinem eigentlichen Komplizen eine Kugel verpasst und mit seiner Beute auch noch flieht. Gebrandmarkt als Verräter hat dieser jedoch dadurch wahrlich keinen leichteren Job. Ist das Fluchtfahrzeug mit der Beute erreicht, steht ihr vor der Möglichkeit, auf eure Komplizen zu warten, oder dem Fahre die Hälfte eurer Beute abzugeben und somit früher aus dem Geschehen abhauen zu können. Einen Vorteil dadurch habe ich noch nicht entdeckt.
Der Modus Undercover Cop verfolgt im Allgemeinen das gleiche Ziel, mit dem feinen Unterschied, dass es auf jeden Fall einen Verräter in der Gruppe gibt, der verdeckte Ermittler.
Zu spielen sind die Modi alle online. Die PC- und Xbox 360-Versionen sind allerdings aus unerklärlichem Grunde noch mit einem LAN-Modus ausgestattet, welcher auf der PS3-Version fehlt. Im Arcade-Modus könnt ihr jedoch bei allen Versionen auch offline in den Fragile Alliance-Modus hineinschnuppern.
Fazit:
Allgemein gesehen ist Kane & Lynch 2: Dog Days ein spannender Shooter, jedoch ohne Abwechslung. Die Singleplayer-Kampagne macht beim ersten Spielen noch Laune, verliert dann jedoch ihren Reiz. Anders ist da die Mehrspielerabteilung des Spiels. Bei einem gemütlichen Spieleabend unter Freunden, werde ich immer auch auf dieses Spiel zurückgreifen können, denn da interessiert nur das Geballer. Auch der Online-Modus mit seinen verschiedenen Spielmodi ist ein wahrer Glücksgriff für dieses Spiel.
Mit seinen vielen Fehlern reicht Kane & Lynch 2: Dog Days jedoch nicht an die Stärke vergleichbarer Shooter, wie Killzone 2, oder die COD-Reihe heran.

