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eLhabib Spiel des Jahres 2010: Red Dead Redemption

Was ist eigentlich ein “Spiel des Jahres”? Ist es das Spiel, welches mit einer bombastischen PR-Kampagne im Rücken den größten Hype erzeugen konnte? Oder sollte man eher nüchtern den Erfolg bilanzieren und schlicht den Titel mit den meistverkauften Einheiten auf den Thron heben? Andere suchen eher das Revolutionäre im Spiel – kann uns ein Titel etwas Neues, bisher völlig Unbekanntes bieten? Vielleicht sollten Videospiele auch einfach nur Spaß machen, völlig unabhängig vom hektischen Geschehen drumherum.

Irgendwo zwischen all diesen möglichen Parametern muss man sich zurechtfinden. Unwahrscheinlich, dass irgendwann einen Titel aufleuchtet, der alle Geschmäcker befriedigen kann. Rockstars Red Dead Redemption hatte ein großes Werbebudget, konnte aber sicherlich nicht mit dem Hype eines Black Ops oder Gran Turismo 5 mithalten. Es wurden überraschend viele Kopien des Spiels verkauft, an der Spitze tummeln sich aber völlig andere Titel. Das Gameplay wartet nicht mit nie gekannten Neuerungen auf, auch wenn es immer wieder mal für Überraschungen gut ist. Macht das Spiel denn Spaß? Sicherlich, aber es gibt auch hier Ecken und Kanten, die auf Dauer frustrieren können.

Ist das Spiel um John Marston also ein Kompromiss um jeden Geschmack zumindest ein bisschen bedienen zu können? Nein, denn das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile und Red Dead Redemption ist mehr als bloß ein weiterer Open-World Shooter.

The San Diego-Story – Wie kam es zu Red Dead Redemption?

Fragen sie mal einen Entwickler im englischen Lincoln, ob er seine Arbeit in der großen Rockstar-Entwicklerstudio-Familie erfüllend findet. Seine Begeisterung dürfte sich in Grenzen halten. Die ehemaligen Tarantula Studios beschäftigen sich seit der Übernahme durch Rockstar hauptsächlich mit Lokalisierungs- und Qualitätssicherungsaufgaben. Bevor man die Routine-Arbeit übernehmen musste, durfte man sich noch an dem GTA-Port für den Game Boy Color versuchen. Das Spiel erzeugte damals nicht das gewünscht positive Feedback, seitdem hat man nie wieder ein Spiel entwickelt. Es gibt sie, die Studios, die für Rockstar mehr eine Notwendigkeit als eine Freude sind. In San Diego sieht die Lage anders aus.

Bevor man von Rockstar einverleibt und in Rockstar San Diego umgetauft wurde, nannten die dort ansässigen Entwickler sich selber Angel Studios und überzeugten immer wieder mit erstklassigen Racern wie den zwei Smugglers Run Titeln für PlayStation 2 und vor allen Dingen dem vielbeachteten Grundstein für die Midnight Club-Serie, “Street Racing”. Eben jener Titel weckte bei Rockstar, dem Stammpublisher der Angel Studios, Begehrlichkeiten, so dass es schließlich zur Übernahme kam.

Seitdem werkelte Rockstar San Diego hauptsächlich an weiteren Midnight Club-Ablegern und lieferte damit beharrlich die gewünschten Achtungserfolge ein. Es gab aber noch ein völlig anderes Projekt ohne jeden Bezug zum sonstigen Portfolio der Entwickler. Es erschien in 2004, hieß Red Dead Revolver und passte so gar nicht zu den bekannten Midnight Club-Titeln. Der Ausflug in ein völlig anderes Genre kann sicherlich so interpretiert werden, dass man sich selber aus der Racer-Ecke herausmanövrieren wollte um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen wenn das alte Steckenpferd mal an Zugkraft verliert. Red Dead Revolver war aber noch etwas ganz anderes: Es war ein Liebhaberprojekt.

Jeder Pixel im Spiel schwärmte seinerzeit von den großen Heldenepen und dem Mythos “Wilder Westen”. Es fanden sich unzählige Anspielungen auf die großen Helden aus Literatur, Film und Historie. Doch die mangelnde Erfahrung auf dem Gebiet, und vielleicht auch ein bisschen die zu große Liebe für die Materie, ließen das Spiel zu einem eher mittelmäßigen Titel verkommen der nur mäßigen kommerziellen Erfolg erzielen konnte.

Kaum einer kennt diesen eigentlichen Vorgänger von Red Dead Redemption. Bei Rockstar San Diego hingegen wird man sich noch gut daran erinnern. Inzwischen fühlt man sich gereifter und bereit, das Abenteuer “Open World Wild West” Spiel noch einmal anzugehen. Man könnte den Schluss ziehen, die Entwickler wollen den alten Schandfleck korrigieren. Ehrenvoll, aber vor allen Dingen auch mutig. Denn was passieren kann, wenn ein Studio in der Rockstar-Familie auf Dauer nicht den gewünschten Erfolg bringt, kann einem der Mitarbeiter der Rockstar Lincoln Studios bestens erklären…

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