Halloween eignet sich in erster Linie als kommerzielles Konsumfest für einen ehemaligen heidnischen Feiertag, aber auch als Rückzugserklärung für Gamer aus aller Welt, um die Horrorspiele aus dem Regal zu kramen. Nie wird sich so gut gegruselt wie an Halloween, auch dann, wenn die Kinder der Nachbarn mit ihrem Kampfgeschrei nach Süßigkeiten einen anderen Spannungsbogen an den Tag legen. “Warum sind Horror Games eigentlich so unheimlich?,” fragten sich ebenfalls die Autoren von TechRadar und nach Generationen von Horrorfilmen und Literatur, fragen wir uns: Können Horror Games eigentlich noch etwas Neues bieten?
Innerhalb der letzten Jahre hat sich voranging der Anspruch an Horrorspiele geändert. Der Reiz liegt im Verbotenen und Unterdrückten. In einem derartigen Videospiel geht es nicht um das Ausleben einer Situation, sondern Erleben. Daher passen Horror und Halloween in ihren Grundzügen gut zusammen: Beide beschäftigen sich mit dem Unerklärlichen und wurden erst im Laufe des Weltalters durch Kreuzzüge und Ethikkommissionen scheinbar gezähmt.
Niemand reißt sich darum ein Horrorszenario im echten Leben vorzufinden, aber die Spieler von heute erwarten, dass das Horrorerlebnis im Spiel so real wie möglich gehalten werden soll? Doppelmoral? Eventuell. Sicher ist aber, dass viele Spielehersteller einem neuen Trend folgen, der mehr bieten muss als ein paar blutrünstige Monster. Das Horrorspiel der neuen Generation muss echt, anders und apokalyptisch sein.

Das ist leichter im Kopf geplant als für den Controller umgesetzt, denn Videospiele stellen die Hersteller vor ein fundamentales Problem: Sie machen den Spieler auf eine gewisse Art und Weise unsterblich. Die Grundidee des Horrors lebt davon, dass etwas oder jemand verabscheut wird. Dies geschieht ohne Vorwarnung und der Reiz eines Horror-Szenarios liegt im Ungeplanten und Fremdartigen. Ein Level nicht überlebt? Dafür gibt’s doch das gute alte Speichern! Keine Ahnung welche Tür offen ist (Horror-Rätsel à la Silent Hill)? Dafür gibt es genügend Tipps im Internet. Der Spieler selbst ist nie direkt in Gefahr, es gilt seinen Hauptcharakter zum Ziel durchzuboxen und sich nachher siegessicher die Nachos zur Abschlusssequenz reinzuziehen. Das Wort “Horror Game” ist daher mittlerweile eher unterhaltend als angsteinflößend. Moderne Horrorspiele brauchen neben dem Grundfaktor Angst vor allem Atmosphäre.
Atmosphäre bedeutet nicht wie in Alone in the Dark der Hauptfigur alle Lichter auszuschalten oder wie in Resident Evil in einer verlassenen Villa auszusetzen. Atmosphäre bedeutet einen nachhaltigen Eindruck beim Spieler zu hinterlassen, einen Schockeffekt ähnlich der Badewannenszene aus dem US-Spielfilm Eine verhängnisvolle Affäre: Das Herz muss rasen bei der Frage “Wann passiert es?” und nicht “Was passiert?” Die Was-Frage ist dabei so uninteressant, weil Reviews, Foren-Spoiler und Youtube-Videos schon oftmals viele Szenen aus einem Horrorspiel vorwegnehmen.








