Jeder Student, der sich durch ein wirtschaftswissenschaftliches Fach kämpft, macht irgendwann Bekanntschaft mit einer gewissen Langeweile und Distanz. Um seine Studenten auf das echte Leben vorzubereiten, hat sich die University of Florida kurzerhand ein Echtzeit-Strategiespiel geschnappt und ab kommenden Herbst in den Unterrichtsplan eingebaut. Das Science-Fiction Game StarCraft biete Lösungsansätze für Probleme, die sich auch so im echten Leben wiederfinden lassen, meint zumindest Nate Poling, wie Technology Review berichtet. Ein neues Jahrhundert braucht anscheinend auch neue Lehrmethoden über Problemansätze. In dem achtwöchigen Kurs sollen “wertvolle praktische Fähigkeiten des 21. Jahrhunderts” vermittelt werden.
StarCraft biete den Studenten eine hochkomplexe Umgebung, die analytisches Denken stark fördern und fordern. Dabei unterrichte der Kurs nicht über das Spiel (wäre wohl auch für die meisten zu schön gewesen), sondern über die drei Werte: soziale Fertigkeiten, Spiel und Online-Erziehung. Das Spielverhalten der Kommilitonen wird ausgiebig analysiert, um Schwächen in Stärken umzuwandeln. Ob sich krawattenlastige Business-Workshops bald in eine große LAN-Party versammeln, bleibt für einige Gamer eher eine Wunschvorstellung. Trotzdem preist der Doktoraden-Kandidat Poling die “zweifellose” Wichtigkeit dieser Problemlösungsfähigkeiten ab.

Wie bei jedem guten Kurs müssen auch bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. So müssen die Spieler/Studenten wöchentlich ihr Game durchleben, brauchen Computerkenntnisse, Internet- und PC-Zugang sowie “Grundkenntnisse und erste Erfahrungen im Umgang im StarCraft”.
Der Kurs ist dabei auf 20 Plätze limitiert, sowie auf erfahrene Spieler und vorzugsweise männliche Spielkollegen. Poling ist sich bewusst, dass das Modul in erster Linie die männliche Spielerschaft anlocken werde. Dies sei aber auch nicht entscheidend, denn es ginge nicht um Geschlechter, sondern waschechte Führungsqualitäten. Poling will das Spiel wie ein Lehrbuch nutzen. In StarCraft wird der MBA-Student mit vielen unterschiedlichen Gruppen konfrontiert, die er einschätzen, organisieren und befehligen muss. Gleiche Qualitäten bräuchten beispielsweise auch Verwalter im Gesundheitswesen. Ob ein deutschsprachiger Personaler ein StarCraft Modul zu Problemlösungsstrategien oder gar Berufserfahrung zählen wird, sei einfach mal dahingestellt.

Florida ist dabei in seinen Unternehmungen nicht alleine, so hatte beispielsweise die University of Berkeley im Bundesstaat Kalifornien im Frühjahr 2009 einen Kurs über Game Theory mit StarCraft als Lehrmethode. Der Schwerpunkt der Game-Analyse lag dabei auf den kriegerischen Auseinandersetzungen. Doch pures Zurücklehnen war nicht gefragt, auch die mathematische Ecke des Gehirns musste für Differenzialgleichungen genutzt werden. Die offizielle Homepage des Kurses wurde leider verschluckt, dafür gibt es immer noch die Facebook-Gruppe, die sich großer Anfrage und Beliebtheit erfreut.
Ist das weltfremd oder zeitgemäß? Der Verwalter im Gesundheitswesen wird keine Steuerung besitzen, um einen bockigen Angestellten ins Nirwana zu klicken. Doch angeblich können Module, die sich auf Games stützen traditionellen Unterricht zumindest ergänzen. Am Ende des Jahres gibt es für “IDS2935 21st Century Skills in Starcraft” an der University of Florida keine Abschlussprüfung, doch die erworbene Note zählt zum allgemeinen GPA (Grade Point Average, entspricht vague unserem Notendurchschnitt) eines Studenten.








