
So hat sich der amerikanische Hersteller THQ sein Statement nicht vorgestellt. Als der Creative Director Corey Ledesma im Bezug auf Online-Pass-Systeme zu Wort gab, dass er wenig Mitgefühl mit Spielern habe, die gebraucht Games kaufen und somit keinen Zugriff auf Online Features haben, war das Geschrei groß. Tatsächlich ging es um das neue Smackdown vs. Raw 2011, dem – ähnlich wie EA mit Tiger Woods – ein einzelner Code beigelegt werden sollte. Hierdurch wird es dem Neukäufer ermöglicht gewisse Online Features zu nutzen. Wird das Spiel gebraucht gekauft, schauen diese Nutzer in die Röhre. Ledesma will mit seinem Statement keinesfalls harsch wirken, meint jedoch aber, dass Gebrauchtkäufe von Spielen den Hersteller indirekt betrügen (da nicht direkt bei ihm erworben):
“So if used game buyers are upset they don’t get the online feature set I don’t really have much sympathy for them. … That’s a little blunt but we hope it doesn’t disappoint people. We hope people understand that when the game’s bought used we get cheated.”
Patriotisch warb er dafür, dass es den Spielern das Geld wert sein solle und diese loyalen Original-Käufer mit extra Inhalten belohnt werden sollen. Nur wirklich komisch fand das die Gamer-Gemeinde nicht, wahrscheinlich auch deshalb, weil Electronic Arts mit seinem Onlinepass schon einige Gebrauchtkäufer verärgerte. Auch hier betonte EAs CEO John Riccitiello, dass das neue System keine Abzocke sei, sondern die Erwartungen der treuen Kunden treffen würden. Es geht also um den Verkauf von Dienstleistungen.

In späteren Äußerungen gab Core Gamer Boss Danny Bilson zu verstehen, dass Ledesmas Statement verdreht wurde. Der Online Code berechtige zwar nur Original-Käufer (d.h. keine gebrauchten Games) zu speziellen Inhalten, doch gleichzeitig werde mit dieser Karte noch weiterer Inhalt bereitgestellt. Alles in allem meinte Bilson verteidigend, dass er keine Käufer von Gebrauchtspielen bestrafen wolle.
Offiziell ging das Dilemma um gebrauchte Games mit Händlern wie GameStop los, denn wenn ein Game erst einmal zur Präsentation geöffnet wurde, ist es gebraucht. Die Publisher THQ und EA gehen aber von einem Handel Kunde-Kunde aus, was das Gewicht etwas verlagert, da ein Zwischenhändler wegfällt. THQ will seinen Käufern mehr bieten als eine “Freischaltung” für Online Inhalte. Trotzdem besteht die Gefahr, dass Spieler von gebrauchten THQ-Kreationen draufzahlen, wie geekosystem.com anmerkt. Gebrauchtkäufer zahlen also drauf und das, obwohl Bilson mehr für sie bieten will als eine “Raus-aus-dem-Knast”-Karte.

Die Kommunikation liegt also vollends auf der Strecke, weil es anscheinend diverse Differenzen zwischen Marketing und PR gegeben hat – oder weil sich die Chefetage mit falschen Wörtern den Mund verbrennt. Um sich in an dieser Stelle einzureihen, denkt nun auch der japanische Medienkonzern Sony über ein Online Pass-System für seine Spiele nach. Sony Computer Entertainment Europe Geschäftsführer Andrew House bekräftigte, dass der Entwickler einen “ernsthaften Blick” auf die Sache werfe. Vorbild ist hier das eher wenig beliebte System von Electronic Arts.
Alles drängt zum Online Game, aber will der Käufer das überhaupt? Bis dato gibt es keine absolute Zahl, nach der alle Hersteller sich plötzlich auf das Internet als Hauptmedium stürzen müssten. In der Tat, physische Medien sind immer noch gefragt – wahrscheinlich auch deshalb, weil man sich Online Spiele so schlecht ins Regal stellen kann. Diesen schlechten Witz beiseite, fühlt sich Sony etwas in der Klemme, weil der Haupterfolg des Konzerns sich auf das frei verfügbare PSN stützt.

Ein Online Pass System wäre somit kontraproduktiv. Sony verfügt bereits über ein indirektes Auswahlsystem wie etwa PSN Plus. Ein Jahresabo kostet 49,99 US-Dollar, drei Monate “nur” 17,99. Erstkäufer erwerben mit einem Abo also Vorteile, die sich der Gebrauchtkäufer durch den Erwerb des Spiels, den Code und weiteren DLCs erst dazukaufen muss. Das kann je nach Spiel weit über die rund 50 Dollar hinausgehen. Der Konzern ermutigt einige seiner Hersteller für PlayStation 3 Exklusivspiele den Zugang zu diesen Spielen für Plus Abonnenten, die auch gleichzeitig Erstkäufer genannten Spiels sind, kostenfrei zu gestalten. Käufer von Gebrauchtspielen müssten hingegen für diesen Service zahlen.
Für Erstkäufer sollen Spiele eindeutig attraktiver gemacht werden, während Gebrauchtkäufer für ihre Spiele ordentlich draufzahlen sollen. Das hat ein bisschen die “selbst Schuld!”-Parole obenauf geschrieben, denn immerhin könnten die gebrauchten Games auch direkt im Store und nicht von einem Kunden erworben werden. Dann wiederum wurde das Spiel bereits einmal gekauft und somit sollten alle Rechte auch an den Nachkäufer übergehen. Doch wahrscheinlich möchten die Hersteller ihre Kunden stärker an ihr gekauftes Spiel binden, dem Käufer ein Unikat aufbinden, wo es sich um eine Massenproduktion handelt.
Die Art und Weise ist geschickt: ein gekauftes Game, welches mit eigenen Online (Premium) Inhalten erweitert wurde, gibt der Spieler ungerne wieder her. Ob das System letztlich funktioniert, hängt auch stark von der Qualität der gebotenen Extras hat. Sind diese faszinierend genug und können nicht nur beim ersten Durchspielen ausgereizt werden, dann haben Online Pässe vielleicht sogar eine Daseinsberechtigung. Sind die Extras allerdings so offensichtlich, dass ein Spieler auch darauf verzichten kann, läuft der schlaue Gamer lieber zum Nachbarn und kauft ihm das Spiel für den halben Preis ab – und lässt sich grad mal vom Online Extra erzählen.







