
Richard Blumenthal ist seinerseits Justizminister für den amerikanischen Bundesstaat Connecticut und sehr erpicht darauf, den brutalen Videospielen das Handwerk zu legen, vor allem jene wo “Leute angepinkelt werden, um sie zum Kotzen zu bringen.” Zu diesem Zweck, hatten sich bereits vor einigen Monaten diverse US-Staaten zu einem Bündnis zusammen geschlossen. Die große Sammelklage sorgt seit Anfang dieses Jahres beim Obersten Gerichtshof in regelmäßigen Abständen für Aufsehen. Am Montag hat sich nun auch Blumenthal den Klägern angeschlossen, wie Headliner Watch berichtet.
Kalifornien hat den Verkauf von bestimmten brutalen Videospielen bereits untersagt. Hauptsächlich, so der Bericht, ginge es darum Games mit expliziter Liebe zum Detail (Menschen mit Benzin anzünden, Menschen anpinkeln, etc.) nicht der Öffentlichkeit zugänglich zu machen – zum Schutze der Minderjährigen. Diese Spiele sind natürlich jetzt begehrter als je zuvor, aber das steht auf einem anderen Blatt.
Des Weiteren hat sich der sonnige Bundesstaat dazu entschlossen ein Subgenre von Videospielen im Dunkeln stehen zu lassen. Jene Aktionen, die den Spieler durch ‘graphic arts’, das heißt durch realistische Züge und Animation, zu Mord, Vergewaltigung oder Sadismus auffordern, sind verboten. Auch virtuelle Pixelmänner mit Schaufeln schlagen, die Polizei zu Tode prügeln oder weibliche Zombiedamen zu köpfen ist untersagt. Ein Paradebeispiel, das auch bei dem Obersten Gerichtshof als Werk der Verdammnis herhalten muss ist Postal 2. Dass dieses Spiel auch satirische Elemente beinhaltet und eine Parodie auf die Regierung des George W. Bush darstellt, wird jetzt nur am Rande als Denkanstoß erwähnt.

Umso ironischer ist auch die Tatsache, dass der 38. Gouverneur von Kalifornien, Arnold ‘Arnie’ Schwarzenegger, die Kultfigur des Terminators in den 80er Jahren verkörpert hat. Ein Film, dessen erster Teil in Deutschland indiziert ist.
Blumenthal schlägt vor, dass die Spieleindustrie sich selbst zu freiwilligen Einschränkungen bewege. Als Beispiel wird auch in der Klageschrift genannt, dass derartige Beschränkungen in der Filmindustrie schon sehr gut geklappt hätten. Wieder sei hier erwähnt, dass Minderjährige in Begleitung Erwachsener dennoch solche Filme sehen und Spiele kaufen können. Um das zu verhindern, müsste aber nicht bei den Entwicklern angesetzt werden. Blumenthal weiß um diese Lücke und will den Eltern beziehungsweise Verantwortlichen helfen, doch sein Appell richtet sich an die Produzenten der Spiele:
“The video game industry should act responsibly and agree to sensible self-imposed restrictions that block children from buying the most violent games. I am calling on the video game industry to follow the leadership of the motion picture industry, which sensibly stops unattended children from viewing violent or graphic movies [...]“
Im Nordosten der USA wird Connecticut als nächster Bundesstaat gesetzliche Beschränkungen für brutale Videospiele verordnen. Hier geht es allerdings nicht um die ‘Kunst oder Gräuel?’-Frage. Es wird deutlich, dass die Regierung ihr Machtpotential ausweiten möchte und idealerweise eine staatliche Institution zur Kontrolle beauftragen würde. Da aber Organisationen wie MPAA, ESRB und FSK freiwillige Zusammenschlüsse bilden, müssten diese erst aufgelöst und durch ein einheitliches Regulationsbuch ersetzt werden. Der Kampf gegen und um Gewaltspiele geht in die nächste Runde.





