
“Limbo” kommt vom lateinischen Wort “limbus” und bedeutet in etwa “Rand”. In der katholischen Kirche steht der Begriff für den Rand bzw. die Grenze der Hölle. Der Protagonist von “Limbo” wacht an ebenjenem Ort auf. So beginnt einer der schaurigsten XBox-Live Arcade-Titel dieses Jahres. Die dänischen Entwickler von Playdead laden euch ein auf eine düstere und verstörende Reise durch eine schwarzweiße Welt, die euch in keinster Weise freundlich gesinnt ist und sich nichts sehnlicher als euren Tod wünscht.
So kommt es einem zumindest vor, sobald man die ersten Schritte macht, um die verschwundene Schwester des Jungen, in dessen Rolle man schlüpft, zu finden. Diese Mission wird übrigens am Anfang des Spiels in keinster Weise erwähnt. So trabt man also los und merkt bald, dass man es hier mit einem Puzzle-Platformer zu tun hat, in dem Geschick ebenso notwendig ist wie Köpfchen.
Die Rätsel wiederholen sich dabei zu keinem Zeitpunkt. Immer wieder müsst ihr anders mit Kisten, Wagen, fahrbaren Leitern, Aufzügen oder Magneten interagieren. Jedes Mal in den insgesamt 24 Kapitel braucht es einen neuen Lösungsansatz, der erstmal herausgefunden werden will. Bis dieser gefunden ist, wird der Protagonist einige Male den Tod finden; und das wird nicht gerade zimperlich dargestellt.
Selten zeigt man als Spieler so viel Mitgefühl für eine Figur, die nur aus einer schwarzen Silhouette und zwei weißen Punkte als Augen besteht, die von den Fallen gnadenlos zerquetscht, zerstückelt, erschossen, aufgespießt, enthauptet oder von einer “Gehirnschnecke” in den Abgrund gelenkt wird. Das Erlöschen der weißen Augen hat eine ganz befremdliche Wirkung auf den Spieler. Dies geschieht mitunter so urplötzlich, dass man zusammenzuckt, wenn eine Bärenfalle den Kopf vom Hals des Jungen trennt. Hinzu kommen die bizarren Schicksale anderer Kinder, auf die man im ersten Drittel des Spiels stößt und dem Spieler den Atem stocken lassen.
Nicht nur die Entführer der Schwester (oder wer sich auch immer sonst die Fallen ausgedacht hat) handeln eiskalt berechnend, auch der Junge muss einige moralisch fragwürdige Lösungsansätze verwenden, um in der Welt von Limbo weiterzukommen. Erwähnt sei hier die Nutzung von im Wasser treibender Leichen als Plattformen, um nicht selbst Opfer des kühlen Nass’ zu werden. Doch glaubt mir, es geht noch schlimmer.

Limbo ist ein Albtraum. Dazu tragen vor allem die düster gehaltene, schwarzweiße Grafik, die an die Qualität sehr alter Filme erinnert und die spärliche und doch intensive Sounduntermalung bei. Selten erlebt man ähnliche Gruselmomente in anderen Spielen, selbst wenn sich diese dem Horror-Genre zuordnen.
Das Spiel ist nicht in einzelne Level aufgeteilt, man kann Limbo am Stück ohne Ladezeiten in gut drei Stunden ohne Vorkenntnis der Rätsellösungen durchspielen.
Die Umgebung, in der sich der Junge bewegt, verändert sich mit der Zeit. Am Anfang streift ihr noch durch einen riesigen Wald und kleinere Höhlen, später findet ihr euch auf den Dächern einer Stadt und im Inneren einer Art Fabrik wieder. Hier lauern auf unvorsichtige Spieler nicht nur Sägeblätter, sondern auch Maschinengewehre und die Schwerkraft manipulierende Schalter. In diesen letzten Kapiteln geht allerdings etwas von der Atmosphäre verloren; die ersten Abschnitte konnten durch mehr grafische Abwechslung und dem Auftauchen verschiedener Lebensformen, die sich euch in den Weg stellen, punkten.
Fazit: Limbo wurde von einem Entwickler-Team auf die Beine gestellt, das sich nicht durch Vorgaben von Herstellern von ihrer Vision abbringen lassen wollte. Dieses klar als Indie-Projekt zu bezeichnende Stück Software weiß durch seine Aufmachung zu polarisieren. Die einen werden vom Grafikstil, der spukig-verstörenden Atmosphäre, der sparsamen Musikuntermalung, den teils knackigen Rätseln, einem verwirrenden Ende und den von den Entwicklern so gewollten “Trial and Death”-Momenten abgeschreckt werden. Der Rest wird ein Juwel in Händen halten, das atmosphärisch, technisch und spielerisch überzeugt und jeden der 1200 Microsoft Points (ca. 15 Euro) wert ist, die es kostet.







