
Was Geld und Gut angeht sind nur wenige Käufer wirklich zu Scherzen aufgelegt. Noch viel weniger haben Interesse an Experimenten. So sieht es aber für Gebrauchtkäufer und dem Onlinepass-System von Electronic Arts (EA) aus. Das Prinzip funktioniert recht einfach: Jedes zukünftig herausgebrachte Sportspiel von EA wird mit einem Code ausgestattet. Mit dieser Kombination kann der Käufer eine Online-Zusatzoption aktivieren und so die Netzwerke der PS3 und Xbox 360 mit neuen Features erkunden.
Für Gebrauchtkäufer sieht das anders aus, denn sie zahlen sowohl für das Spiel als auch für den Aktivierungscode. Dieser ist nämlich nicht in den “alten” Games enthalten und muss für zehn US-Dollar separat erworben werden (Preise für Deutschland bis dato unbekannt). Das ist auf den ersten Blick zwar nervig und vertretbar, rechnet sich aber im Endeffekt zu einer netten Summe zusammen.

Der Onlinepass wird mit dem Spiel Tiger Woods PGA TOUR 11 der Käuferschaft nähergebracht und soll nach eigenen Angaben des Publishers für alle neuen Sportsimulationen eingeführt werden. Die Online-Inhalte können zwar anfangs für sieben Tage kostenlose getestet werden, wie aber jede gute Trial-Version muss später der eigentliche Zugang gekauft werden. Die von eigener Seite hochgelobten Bonusinhalte der Sport-Games beinhalten soweit Team Play, Live-Turniere und extra Objekte (bei Tiger Woods beispielsweise spezielle Schläger). In einem Interview mit Industrygamers gab EAs CEO John Riccitiello zu verstehen, dass derartige Neuerungen den nötigen Service bereitstellen, den die Kunden erwarten:
“But our business is moving. Ten years ago, five years ago, we’d gold master a game, the dev team would move on to something else and no one was there. … I mean the project is only half done when we ship it. It keeps going. We’re selling services.”

Diese Art der Verteidigung heizt die gesamte “bezahlbare Hardware aber kostenlose Software” weiter an. Wie viel dürfen Features kosten, wenn die Basismodule (in diesem Fall ein Spiel) schon gekauft worden ist? Zwar gibt Riccitiello zu bedenken, dass EA den Onlinepass erst einmal als Experiment handhabe, es aber auch letztlich darum gehe, die Spieler von dem Business zu überzeugen. Das heißt im Klartext: Wenn der Spieler vorher nicht bei EA eingekauft hat, dann ist das sein eigenes Verschulden. Auf die direkte Nachfrage was EA einem Gebrauchtspieler zu dieser Moral des doppelten Abkassierens antworten würde, sagt der Generaldirektor lediglich:
“Well, we thank you for your business. You didn’t used to be a customer of ours, and now you are. We’re going to prove to you that that ten dollars is exceptionally well spent.”

Das klingt fast ein bisschen so, als würde Riccitiello die gebrauchten Spiele mit Raubkopien gleichsetzen. Rein wirtschaftlich geht durch den Weiterverkauf erst einmal Geld verloren, weil EA als Haupthändler wegfällt; doch für viele Neukunden ist die Zusatzzahlung wohl eher abschreckend. EA gibt sich weiterhin kundenfreundlich und der Gebrauchtverkauf sei eine gute Möglichkeit um Kontakt mit dem Kunden herzustellen, trotzdem blieben die exklusiven Features nur dem zahlenden Gast vorbehalten.
Dem Vorwurf der Abzocke hält Riccitiello das Argument der ständigen Entwicklung entgegen. Videospiele seien ein stetiger kreativer Prozess und nicht bloß eine gepresste CD/DVD mit einem fixen Ende. Wenn die Spiele verkauft würden, dann seien sie lediglich “halb fertig” und “es geht immer weiter“ in ihrer Entwicklung.

Die üblichen bürokratischen Unsicherheiten gehen mit dem Verwirrspiel einher – für wie viele und welche Systeme gilt der Onlinepass eigentlich? Reicht ein Xbox Silver-Account schon aus um mit dem Code spielen zu können oder nicht? Wenn nicht, verdienen zwar mehrere Entwickler hinzu, für den Kunden ist es aber eine absolut nervige Rauferei um Updates. Das ist die negative Seite der ‘No Disc generation’; der Kunde wird durch AGB-Klauseln in die Enge getrieben und hat im Grunde keinen Anspruch mehr auf Vollständigkeit, wie es damals bei physikalischen Medien der Fall war.
Riccitiello sieht EAs Onlinepass als zukunftsweisendes Ausforschen von Kundenwünschen. Alles ginge heutzutage online und sei weniger fixiert auf physikalische Dinge. Konstante Werbeeinheiten sind weniger, die Einnahmen sinken und die Firmen müssten sich etwas einfallen lassen, um den Kunden an sich zu binden. Ob EAs Onlinepass da der richtige Weg ist, bleibt fragwürdig. Das liegt zunächst auch daran, dass die Argumente für einen solch exklusiven Modus recht dünn sind. Nach ungefähr zwei Drittel des Interviews zerschlägt Riccitiello sich seine eigene Einrichtung und fragt lachend “sag mir, wer dich nicht anlügt.”





