
Monatelang ging es hin und her, bevor die alte und bekannte Infinity Ward-Elite nach und nach das Handtuch warf. In einem schon fast komischen Wochenrhythmus wurden immer mehr Kündigungen bekannt, so dass sich die Frage stellte, ob Activision das Infinity Ward Studio nicht einfach schließen würde. Doch weit gefehlt! Neue Angestellte zu finden sei für den amerikanischen Hersteller kein Problem, meint zumindest der stellvertretende Vizepräsident Dave Stohl im Interview mit vg247.com Infinity Wards Vorzeigeprodukt Call of Duty, welches ab dem vierten Teil eigentlich nur noch Modern Warfare heißen sollte, wird nach der Meinung einiger Fans mit dem Abgang von Jason West und Vince Zampella ordentlich leiden.
Auch auf die Gefahr hin, sich stark zu wiederholen, aber Activisions Ruf ist in letzter beachtlich gesunken. Auf die Frage, wie sich der Hersteller in Kalifornien über seine jetzige Lage selbst fühlt, antwortet Stohl mit einem “richtig gut”. Viel Spielraum zum Meckern oder Lamentieren bleibt der Führungsspitze nicht, denn die Entwicklungsmotivation für weitere Call of Duty-Teile ist anscheinend ungebrochen. Um diese umzusetzen, müsste allerdings ein passendes und aufgestocktes Produktionsstudio her. Zwar gab es erste Gerüchte, dass Activisions Studio Sledgehammer Games das neue COD umsetzen sollte, doch Stohls Ausführung über andauernde Einstellungen für Infinity Ward lässt hoffen. Kann das ‘neue’ Studio an den guten Ruf des alten anschließen?

Auf jeden Fall ist Stohl mit der Personalverwaltung auf langanhaltender Talentsuche, denn nur ein gutes Team produziert ein gutes Spiel. Dabei gibt sich Stohl als Teamplayer und meint, dass der Name ‘Activision’ nur existieren kann, weil es sich auf seine Studios stützt.
“I think they’ll get there, and we’ve got a ton of hard-working super-talented people. People say “Activision,” but it’s Neversoft and Treyarch and it’s VV in Albany and it’s Bizarre Creations; it’s people all over. There’s just a ton of talented development.”
Stützt oder abstützt? Erinnern wir uns an die Vorwürfe seitens der alten IW-Spitze bezüglich Ausbeutung und der Weigerung von vertraglich festgelegten Zahlungen, dann lesen sich Attribute wie “hart arbeitend” und “super talentiert” mit negativem Klang. Stohl bekräftigt außerdem, dass er von Infinity Ward nichts wegnehme wie es war oder ist, sondern es sich lediglich auf talentierte Unterstützung konzentriere. Doch auf die Frage, ob sich das neue Team auch vorranging auf Call of Duty einlassen wird, gibt er nur ausweichende Antworten. Immerhin seien die Angestellten bei Activision gerade damit beschäftigt das Studio wieder “aufzubauen”, man könne also nicht von vornherein sagen was wer machen würde. Generell sollte jedes Studio in der Lage sein, eine etablierte Franchise fortzusetzen und dass neue Infinity Ward werde sich weiter an die “starke Shooter Philosophie” halten.

Würden Stohls Worte auf die Waagschale gelegt, dann ergäbe sich ein kleiner Widerspruch: Einerseits wird dem ursprünglichen Studio nichts entnommen, andererseits wird es “rebuild”/wieder aufgebaut, was einen erheblichen Schaden suggeriert. Activisions einschneidender Einfluss ist durchaus bekannt, lässt sich aber auch weniger verschwörerisch an der Release-Liste festmachen. Diverse Spiele, sei es nun Call of Duty oder Tony Hawk, stehen im Begriff in eine Endlosschleife zu fallen. Für die Entwickler besteht daher zwar großer Druck ein altes Spiel immer wieder attraktiv zu machen, doch trotzdem ist die kreative Brandbreite eher eingeknickt. Stohl geht indirekt darauf ein, wenn er über die Herstellung von Multiplayer-Games spricht und die “überaus enge Zusammenarbeit” lobt:
“The thing that was really exciting for me was the long-term aspect of it. That enables us to work together in a much closer way than you would otherwise in a normal contractual relationship. They’re incredible, but we’re there when they need it.”
Das Ganze erhält eine extra interessante Note, wenn sich der Gamer daran erinnert, dass Activision im Frühjahr dieses Jahres einen großen Deal mit dem amerikanischen Hersteller Bungie geschlossen hat. Der Entwickler aus Kirkland, Washington ist vor allem durch seine Halo-Reihe berühmt geworden. Trotzdem wollen wir nicht so weit gehen und sagen, dass Activision demnächst Halo verspeisen wird, obwohl Bungie und Activision einen Vertrag über die Zusammenarbeit der nächsten zehn Jahre geschlossen haben. Diese Langlebigkeit lobt sich Stohl und weist darauf hin, dass die Entwicklung von Spielen heutzutage ebenfalls länger brauche. Genau deswegen sind derartige Verträge mit anderen großen Studios so wichtig.

Das Interview mit David Stohl ist in der Tat recht aufschlussreich, wenn der allgemeine Activision-gegen-IW-Kampf mit verfolgt wurde. Es kristallisiert sich insgeheim ein Wandel heraus, dass Activision sich wohl gerne tiefer in die Angelegenheiten seiner Studios einmischen würde, ohne dabei offensichtlich bevormundend zu wirken. Das gelingt am besten, wenn längere Produktionszeiten eingestanden werden, denn das liefert mehr Zeit für interne Kritiken und Überarbeitungen von Spielen. Zur selben Zeit sind große Deals wie es mit Bungie getan wurde, ein weiterer Zeig in die Richtung an einer langlebigen Franchise beteiligt sein zu wollen.
Es wird spannend bleiben inwieweit das neue Infinity Ward Studio überhaupt herausstechen wird. Sicherlich und fast unausweichlich wird der Erfolg eines neuen Call of Duty-Games an den bisherigen Programmierern gemessen. Daher wäre es taktisch klüger an einer neuen Gamereihe zu arbeiten. Doch das kostet Zeit und vor allem mehr Geld als eventuell dafür ausgegeben werden soll. Folglich bleibt es weiterhin spannend, welches Activisions nächster großer Coup wird.
Via vg247.com, incgamers.com, wired.com





