Die filmreife Story um die Enthüllung von Apples Next Gen iPhone ist inzwischen so populär geworden, dass sogar die großen Fernsehmedien durchweg in ihren Nachrichtensendungen einen Platz dafür geschaffen haben. Ein Apple-Mitarbeiter vergisst sein iPhone in der Kneipe, jemand findet es, relativ bald kommt heraus, dass es sich um den Prototypen des kommenden iPhone Models handelt und der glückliche Finder verkauft das Gerät und somit die Story für viel Geld an Gizmodo.
Die Seite bringt einen großen Enthüllungsbericht, Apple fordert sein Eigentum wieder ein, bekommt es auch, muss dafür aber bestätigen, dass es sich tatsächlich um den Prototypen der vierten iPhone Generation handelt.
Eine lustige Geschichte schien eigentlich ihr Ende gefunden zu haben. Könnte man meinen. Doch was dem Autoren des Enthüllungsberichtes, Jason Chen, jetzt widerfahren ist, fügt der Anekdote den Gestank eines ausgewaschenen Skandals hinzu.
Am Abend des vergangenen Freitags, 23. April, kehrte Jason Chen gegen 21.45 Uhr mit seiner Frau in seine Wohnung zurück und traf dort auf mehrere Polizeibeamte die seine Wohnung durchsuchten. Die Polizeibeamten hatten einen Hausdurchsuchungsbeschluss, unterschrieben von einem Richter des obersten Gerichts im County San Mateo aus dem Staate Kalifornien, und sich anscheinend bereits vor einigen Stunden gewaltsam Zugang zur Wohnung verschafft. In einer ausgiebigen Durchsuchung beschlagnahmten die Beamten vier Computer sowie zwei Server aus Chens Privatwohnung.
In einem späteren Brief an den leitenden Ermittler der Untersuchung stellte Gaby Darbyshire aus der Rechtsabteilung von Gizmodos Verlag, der Gawker Media LLC, fest, dass die Durchsuchung sowie die Beschlagnahmung niemals hätten stattfinden dürfen. Das kalifornische Recht besagt, laut Darbyshire, eindeutig, dass Journalisten (ausdrücklich auch Online-Journalisten) von keiner Instanz mit solchen Maßnahmen bedacht werden dürfen.
Dieser spezielle Schutz für Journalisten geht natürlich auf den rechtlich zugesicherten Quellenschutz zurück und ist wesentlicher Bestandteil der Pressefreiheit. Auch wenn sich aus den offiziellen, von Gizmodo veröffentlichten Unterlagen zur Durchsuchung, kein direkter Hinweis auf den Grund der Durchsuchung (im Durchsuchungsbefehl ist lediglich von dem Verdacht einer begangenen Straftat die Rede) ergibt, steht zu befürchten, dass eben jener Quellenschutz mit dieser Durchsuchung übergangen wurde.
Sollte sich herausstellen, dass Chen`s Privatwohnung nicht wegen einer anderen Straftat durchsucht worden ist, könnte man auf die Idee kommen, dass Apple darauf hingewirkt hat, den Namen des Finders ihres iPhone Prototypen herauszufinden.
Es riecht ein wenig nach einem ganz und gar häßlichen Skandal. Wie kann es sein, dass die Polizisten mit dieser Entschlossenheit gegen einen Journalisten vorgehen? Selbst wenn es nur darum gehen würde, Chen oder seinen Verlag zu belangen, wäre eine Hausdurchsuchung, gerade auch in dieser Dramatik (es wurde explizit erwähnt, dass noch während der Nacht eingegriffen werden soll) völlig überflüssig, weil Gizmodo ja nun jedes Detail über diese Geschichte mit Ausnahme des Namens der Quelle veröffentlicht hat.





