Peter Molyneux ist eine der interessantesten Personen im gesamten Videospielbiz. Ob man ihn nun verehrt weil er der Welt nun schon den einen oder anderen Meilenstein in der Videospielgeschichte geschenkt hat, oder ihn wegen seiner meist etwas zu enthusiastischen und unerfüllbaren Erwartungen schürenden Art, seine Games anzukündigen nicht ganz ernst nehmen will – Molyneux wird wahrgenommen!
Die Statements, die er sich jüngst in einem Interview entlocken ließ, dürften wieder einmal für Gespräche in der Branche und für Kopfschmerzen bei seinem Arbeitgeber Microsoft, für die er seit der Eingliederung seiner Lionhead Studios in 2006 arbeitet und bei denen er inzwischen die Rolle des Creative Directors bekleidet, sorgen. Auf der SXSW Music and Media Conference unterhielt sich der Fable-Macher mit Frank Rose über Sonys aktuelle Gallionsfigur Heavy Rain (mit deren Macher wir vor ein paar Wochen übrigens ein interessantes Interview geführt haben).
Von der gewohnt vorsichtigen Zurückhaltung, mit der man es in der Banche meist zu tun bekommt wenn es um Titel der Konkurrenz geht, war bei Molyneux nichts zu spüren. Stattdessen bezeichnete er Quantic Dreams Werk als “ersten Ausblick auf die Zukunft der Videogames”.
Für mich ist es keine Frage, dass Spiele wie Heavy Rain — Spiele, die neue Wege in ihrer Präsentation bestreiten; ganz offensichtlich mit dem Gedanken an Kinofilme und Motion Capturing im Hinterkopf — wirklich in der Lage sind, uns eine neue Art der Unterhaltung zu demonstrieren.
Im weiteren Verlauf des Gespräches ließ er sich sogar dazu hinreißen, den Titel als “absolut brilliant” zu bezeichnen.
Im Grunde kann Molyneux`s Begeisterung nicht wirklich überraschen. Ein Spiel, dass derart die Entscheidungen des Spielers und deren Konsequenzen in den Vordergrund stellt, trifft exakt das Ideal, welches sich Molyneux in seinen Spielen immer wieder wünscht. Es ist ein Markenzeichen des Designers, dass er die Spieler gerne vor knifflige Entscheidungen stellt und sie mit den Konsequenzen konfrontiert.
Während jedoch Molyneux in Spielen wie Fable und Black & White immer nur die Frage nach Gut und Böse gestellt hat, konnte Heavy Rain tatsächlich die Grauzonen des echten (dramatisierten) Lebens virtualisieren. Heavy Rain dürfte so ziemlich der Titel sein, den Molyneux gerne selber gemacht hätte, auch wenn er nach eigener Aussage nie länger als 90 Minuten spielen konnte, weil die düstere Welt etwas zu viel für sein zart beseidetes Gemüt gewesen wäre.
Aber ist es wirklich nur die, erfrischend offene, Begeisterung für den Titel der Konkurrenz? Vor einigen Tagen mussten wir uns schon einmal über Molyneux wundern, als er in einem Interview die Präzision von Sonys kommendem PlayStation Move anpries und ihren Vorsprung gegenüber Microsofts Natal hervorhob.
Es wäre interessant zu wissen, welche Konsole Molyneux bevorzugt, wenn er gerade nicht bei der Arbeit ist…





