
Seriosität, Ernsthaftigkeit und ein gewisser Adrenalinrausch. Ist das die zukünftige Beschreibung von so genannten Erwachsenenspielen? Eine aufrichtige Möglichkeit. Calling: Kuroki Chakushin ist dafür ein gutes Beispiel: das japanische Horrorspiel in der Machart bekannter Survival Horror Video Games wie Silent Hill und Alone in the Dark wird in kurzer Zeit für die Wii erscheinen zum Erstaunen vieler Kritiker. Erst zuvor hatte sich das Management kopfschüttelnd von der Idee verabschiedet jemals wieder Erwachsenenspiele zu befürworten.
Innerhalb einiger Monate kann sich viel ändern. Während wir euch im Juli letzten Jahres darüber berichteten, dass “Spiele für Erwachsene” durchaus einen interessanten Verkaufsmechanismus darstellen, sinkt die Stimmung nun wieder in den negativen Bereich.

Wie im Bereich Film gibt es für die Videospielbranche zwei Konstanten, die bei dem Begriff immer im Kreis laufen: älteres Publikum und Erhältlichkeit von Spielen für ein älteres Publikum. Das Eine funktioniert ohne das Andere in der Definition nicht und so ließe sich der Kreis nur von innen heraus brechen. Was sind überhaupt Erwachsenentitel? Ab wann gehört der heimlich älter gewordene Gamer zu dieser Zielgruppe?
Es stellt sich ebenfalls die Frage, was mit dem Schaffen einer neuen Zielgruppe überhaupt bezweckt werden soll. Erst einmal boomt vor allem das Marketing-Department, sofern der Slogan gut angestellt ist. Mittlerweile verstehen aber viele unter “adult gaming” entweder Horror oder Erotik-Spiele, deren Intensität zensiert oder mit einem netten “ab 18″ Sticker versehen wird. Somit wäre geklärt, dass Erwachsenenspiele für ein Publikum älter als 18 Jahren bestimmt ist; nimmt man dann noch die Studentenzeit als adoleszente Phase heraus, begännen derartige Spiele ab 24 oder 25 Jahren. Damit sind die Spielregeln erst einmal klar.

Die Geschichte der Wii seit ihrem Erscheinen Ende 2006 ist großflächig von Erfolg gekrönt. Stete Neuerungen wie das Wii Balance Board oder WiiSpeak machten die Konsole in ihren Funktionen wesentlich flexibler. Trotzdem scheint das Ansehen der Wii hauptsächlich aus einem müden Lächeln der eingefleischten Gamergemeinde zu bestehen. Ein bekanntes Argument ist, dass es für die Wii nur “Kinderspiele” gebe. Jetzt besteht auch hier wieder das Problem der Definition. Sind Kinderspiele wirklich kindisch oder wird man für einige Dinge einfach nie zu alt? Veröffentlichungen wie beispielsweise Super Mario Galaxy lassen Kultklassiker wieder aufleben – das ist purer Retro-Glamour!
Nintendo-Präsident Satoru Iwata klärte nach Berichten von digitalnext in einem Interview schon vor geraumer Zeit, dass Spiele für die jeweilige Zielgruppe “maßgeschneidert” sein müssten. Spielspaß ade? Wohl kaum, trotzdem ist das Prinzip “Erwachsenenspiele” ein Schuss in den Ofen. Wie so oft setzt die Prüfstelle durch, wie erwachsen ein Spiel ist und verteilt den jeweiligen Sticker. Auch frei erhältliche Spiele, bei denen der Personalausweis nicht vorgezeigt werden muss, sagen nichts über die geistige Reife des Spielers aus. Eine Konsole ist nicht nur Prestige und Coolness, sie ist vor allem für den Spaß am Spiel vorhanden. Trotzdem erhält man in letzter Zeit den Eindruck, dass das Image weg von der Partykonsole zum seriösen Spielvergnügen soll.

Im Laufe der letzten Jahre hat die Wii durch Spiele wie The Conduit oder The House of the Dead: Overkill für Aufsehen gesorgt, war es doch mal etwas ganz anderes für die Konsole. Constantine Hantzopoulos, seinerseits Studiodirektor bei Sega, wertet die Verkaufszahlen und die Reputation der bisherigen Wii Spiele als annehmbar aber nicht übermäßig faszinierend. Im Transkript, welches GoNintendo aus einem Podcast Interview angefertigt hat, lässt sich seine Unmut aus den Zeilen herauslesen:
“…Anyone past 12 years old was playing 360 and PS3 shooters. And at that point, you can’t tell a 13 year-old, ‘But it’s on the Wii.’ Forget it, you know? …
…Circling back to the whole mature Wii thing, again SEGA took a gamble, we put out some pretty decent content. I mean, House of the Dead: Overkill and MadWorld are great Wii games. They really are, especially House of the Dead: Overkill. That game is funny… . I mean they’re both doing okay and at the end of the day we’ll make our numbers, that’s good.”

Bei Nintendo hing die Flagge lange Zeit auf Halbmast, musste doch angesehen werden, wie die Wii zum Lifestyle-Objekt verkommt und nicht für “serious gaming” zu haben ist. Das Spielen der Wii, wie es auch durch die Werbung vermarktet wird, lässt sich besonders gut in Gruppen arrangieren. Der Fingerzeig in Richtung aktiver Einzelspieler wollte nicht wirklich funktionieren. Als dramatischer Flop dürfte dabei Dead Space: Extraction zu der Entscheidung gegen Erwachsenenspiele beigetragen haben. Der Vorläufer zum späteren Dead Space soll sich nur schwache 48.000 Mal verkauft haben.
Natürlich gibt es auf jeder Konsole Spiele, bei denen sich gefragt wird, wie diese jemals das Haus verlassen konnten. Flops gibt es überall, der absolute Cut der Wii-Direktoren erschien daher etwas voreilig. Auf der langen Bank lässt sich dann schon einsehen, dass Survival Horror Games auf der Wii eher unbeliebt waren.

Mit Calling soll der Stein wieder neu ins Rollen gebracht werden – oder doch nicht? Zumindest schien die Produktionsfirma Hudson Soft wenig begeistert als erste Gerüchte über das Game im Internet landeten dank undichter PR-Strategien. Das Game soll den Spieler in bester Horrormanie wie einst der japanische Film Ringu tief in das Geschehen mit einbinden. Aus der Ichperspektive wird es dem Spieler dank der WiiRemote Control ermöglicht eigens Objekte zu untersuchen, Fotos anzufertigen oder sogar mit Geistern Kontakt aufzunehmen.
Zurück ins Leben schocken wäre eine mögliche Erklärung für die Entwicklung des Games für die Wii. Viele begeisterte Fans haben schon lang auf ein abweichendes Spiel gewartet. Das Management scheint sich nicht bewusst zu sein, dass mit der Wii schon ein breites Publikum an Kunden abgegrast wird. Nur weil weniger Sex und Gewalt vorhanden sind, muss ein Verkaufszahlenknick nicht das Ende der Welt sein.

Die kursierenden Bilder von Calling sehen durchaus vielversprechend aus; der Stil und der Inhalt könnten sich auf dem außer-japanischen Markt durchaus bewähren. Das könnte sich als eine gute Strategie erweisen, wenn immer mal wieder Schocker produziert werden würden. Allerdings wird das endgültige Urteil erst im März dieses Jahres fallen, denn dann ist Calling: Kuroki Chakushin für Nord-Amerika und Europa zugänglich.
Via digitalnext, GoNintendo, Gameswelt, Joystiq





