
Knubbelige Animationen, selbstgebasteltes Fahrwerk, Kartbahnen, ein paar rauchende Reifen und bestechende Grafik. Diese Zutaten zusammengeschüttelt und heraus kommt ModNation Racers für die Playstation 3. Der Spieler soll befähigt werden sein Gefährt natürlich zu beschleunigen, aber auch zeitgleich durch den Einsatz von Waffen und Schutzschildern abzuschirmen.
Das Kart Racing Game wird sich in einer grafischen Umgebung präsentieren, die sich wohl schon seit Final Fantasy IX mit dem “Knuddeleffekt” herumschlagen muss. Der größte Teil des Hypes um ModNation Racers ist die Tatsache, dass das Spiel in größten Teilen eigens kreiert und angepasst werden muss – der sogenannte User Generated Content (UGC). Produzent Dan Sochan erklärte die Entscheidung im Interview mit EDGE Online folgendermaßen:
“I think what we’ve seen typically with user generated content titles is that often you only have about ten per cent of the population creating, and then 90 per cent consuming. Our goal is to up the percentage able to create content much higher.”
Das klingt nach einer klaren Ansage, doch zu oft gehen Ambition und Wirklichkeit auseinander. ModNation Racers muss sich zu Recht immer wieder mit Mario Kart vergleichen lassen. Aber auch vor Mario Kart gab es mit Racing Destruction Set aus den 80ern eine Möglichkeit, dass Umrunden durch die Anpassung der Schwerkraft aufzupeppen. Was ist also der eigentliche Reiz an ModNation Racers?
Wenn es nach Sochan geht, dann zählt in erster Linie das Gefühl der Gemeinschaft. Die Gamer wiederum fragen sich, was da auch kostentechnisch auf sie zukommt, immerhin stellen die Entwickler lediglich die Basis bereit: Namen, Musik und diverse Creator Tools. Trotz all der sprühenden Kreativität wird das Erstellen auch Grenzen haben. Entwickler Mat Thomas meinte im Interview mit IGN UK, dass es “wirklich mehr als genug bereitgestellte Vielfalt für ein ausbalanciertes Rennspielerlebnis” gebe.

Wenn ein Spieler seine Hauptzeit damit zu verbringen muss, erst einmal genug Ideen für eine Strecke zu haben, einen Charakter zu designen und zu kombinieren, der kann auch schnell aufgeben. Wenn die Motivation gering ist, könnte ModNation Racers ein richtig großer Flop werden.
Alle macht dem Volke? Nur dann, wenn der erste “Wow!”-Effekt des Spiels nicht dramatisch in den Keller sinkt; gute Grafik allein bringt es nicht mehr auf der PS3. Allein deswegen ist das Game ein ebenso interessantes Experiment wie viel Wert die Spieler auf Gemeinschaft legen oder ob die typische Ellbogen-Gesellschaft nicht doch siegen wird. ModNation Racers wird dabei aber auch heimlich das wieder gut machen, was Little Big Planet mit seinem zensierenden Adminchaos zuvor verbockt hatte.

Fakt ist, dass das Personalisieren der Fahrzeuge gut ankommt. Fakt ist aber auch, dass die Knuddeloptik nach einer Weile wirklich zu nerven anfängt und die Versuchung besteht doch einfach mit Need for Speed cool davon zu düsen.
Weiterer Wackelkandidat: die Zeit! Das Erstellen von Strecken und einer groben Umgebung dauert grob geschätzt eine halbe Stunde; alles weitere wie Kurven, Rampen, Umgebung und der letzte Feinschliff kann einen halben Tag dauern. Die Karts an sich sollen sich nur wenig voneinander unterscheiden, rücken eher in den Hintergrund, was das ewige Tunen und Wetteifern um den schnellsten Reifen natürlich enorm reduziert.

ModNation Racers wird also etwas ganz anderes als ein Oberflächenspiel, hauptsächlich deswegen weil die User ihre Oberfläche selbst wählen, uploaden und mit anderen teilen. Der Knackpunkt liegt im Endeffekt in der Präsentation, wie viel Beachtung werden die anderen Racer meiner Strecke schenken? Games.ch beschreibt die Testversion von ModNation Racers als “gewöhnungsbedürftig”, vor allem beim Steuern, das etwas unübersichtliche Einsammeln der Items und die Zeitverzögerung beim Gas. Wieso sollte der Spieler ein Game erwerben, an das er sich erst gewöhnen muss?
In diversen Foren wird heiß diskutiert, ob man mit ModNation Racers bloß die Kuh, nicht aber die Milch kauft. Das ist für die Entwickler natürlich ein lukratives Geschäft. Für den einzelnen Gamer kann das Produkt aus der Äffäre von Little Big Planet und Mario Kart aber auch nach hinten losfahren. Wenn sich diese Meinung ausbreitet, dann war es das mit der hochgelobten Gemeinschaft der Racer.

ModNation Racers ist kein Egospiel, wohl aber ein Spiel fürs Ego. Im großen Rahmen treffen mehrere dieser Ego-Kreationen aufeinander und werden sich nicht nur um den Sieg reißen, sondern vor allem auch die Kreation des Einzelnen auseinandernehmen. Mit den Einschränkungen der Entwickler und den negativen Faktoren beim Racing, wird ModNation Racers sicherlich kein Spiel werden, was wegen seiner genialen Handlung Geschichte schreibt.
Es muss, wie vorgesehen, in der Gemeinschaft erkundet werden, aber wenn diese erst einmal gelangweilt das Steuer aus der Hand gibt … dann setze ich mich doch lieber in mein Mario Kart Auto. Ob ModNation Racers wirklich eine zukunftsweisende Idee im Social Gaming ist, werden wir erst im Frühjahr diesen Jahres erfahren.
Via EDGE Online, heise, IGN UK, Games.ch