Eine sentimentale Einleitung zu einem Spiel, das den Titel Heavy Rain trägt, erscheint äußerst unpassend und doch ist es genau das, was der Chefdesigner und Produzent David Cage im Sinn hat.
David Cage, eigentlich David De Gruttola, ist passionierter Videospieldesigner und Musiker. Der Franzose ist bekannt dafür nicht nur eine führende Rolle für die Entwicklung seiner Games zu übernehmen, sondern gleich ein Repertoire an Verantwortung abzudecken. Exzentrisch? Vielleicht. Erfolgreich? Definitiv. Als Leiter des Studios Quantic Dream hat Cage schon Spiele wie The Nomad Soul oder Fahrenheit (Indigo Prophecy in den USA) produziert. Nun soll Heavy Rain das Opus Mangum werden.
In der Theorie entwirft Cage nichts anderes als einen Schauerroman für die PS3 und testet damit die Grenzen der Spieler, Kritiker, aber vor allem seine eigenen als Entwickler und Produzent aus. Was der 40-Jährige mit Heavy Rain im Sinn hat, ist inwieweit Gefühle von Hass, Liebe und Trauer die Form von Mord, Vergewaltigung und extremer Gestalt annehmen können. Was Cage nicht beachtete, ist das enorme Interesse von Journalisten aller Bereiche an seiner Idee. Ein Gewühl, welches ihm ziemlich gegen den Strich gegangen sein muss, hat er laut Computerandvideogames doch im offiziellen PlayStation Magazine UK zugegeben, dass Heavy Rain nicht für Quoten, sondern Qualität entworfen wurde:
“When you write something or you develop a project like Heavy Rain, you don’t write for tabloids. You don’t wonder what censorship will think of it, because otherwise you’d never do anything,”
Das ist die offizielle Defensive von Cage bezüglich Heavy Rain. Trotz des Hypes gilt folgende Faustregel: je mysteriöser ein Game gemacht wird, desto mehr wird es nachher in die Mangel der Kritiker genommen. Cage dürfte dennoch die Wertung des Entertainment Software Rating Board (ESRB) mit “Mature” sehr gelegen kommen. Alles was verboten oder nur eingeschränkt zugänglich ist, macht neugierig.
In der offiziellen Beurteilung sei die Darstellung von Blut, intensiver Gewalt, Nacktheit, expliziter Sexualität, Kraftausdrücken und Drogenkonsum als bedenklich einzustufen, was für ein neu entwickeltes Spiel so ziemliche alle denkbaren No-go-Register zieht. Der Spieler treffe in Heavy Rain gewaltbereite Verbrecher an, werde gewollt psychischen und physischen Schmerzen ausgesetzt.
Nun muss an dieser Stelle einmal gesagt werden, dass französische Regisseure der Horrorindustrie mit ihren Filmen wie Martyrs oder High Tension seit geraumer Zeit ähnliches verfolgen: die Kamera wird darauf gehalten, wo es am meisten schmerzt. Nicht etwa, um sadistische Freude am Leid zu entwickeln, sondern um den Spieler direkt zu konfrontieren und zu fragen: Ist das richtig? Wieso gefällt es dir?
David Cage scheint seinen Regiekollegen nachzueifern und setzt so ein Szenario für die PlayStation 3 um; fast schon perfide gibt er die Verantwortung von Extremsituationen an die Spieler ab. Ist dies das neue Level, das Cage erreichen will – ein Game, welches die Moral in Frage stellt? Was lachhaft klingt ist durchaus echt, immerhin betont er in Interviews immer wieder, dass Heavy Rain kein Videospiel sei.
Zwei Elemente tauchen dabei in Cages Interviews und Vorstellungen immer wieder auf: revolutionäre Game-Technik und der Hang zur Melancholie. In die erste Kategorie fallen beispielsweise Steuerung und Steuerungsmöglichkeiten der Figuren. Inwiefern die Anmerkung über Quick Time Events wirklich ein Novum ist, bleibt abzuwarten.
Durch schnelles Drücken eine Aufgabe zu erfüllen, die für den Charakter lebenserhaltend oder situationsverändernd wirkt, kennen Gamer schon aus Fahrenheit. Hier war vor allem die mentale Verfassung der Charaktere ausschlaggebend, um das Spiel in verschiedenen Varianten zu beenden. Cage will die Spieler durch Heavy Rain stärker als je zuvor mit der Spielfigur verbinden und zwei verschiedene Perspektiven (Gamer vs. Charakter) auf eine reduzieren.
Das von Edge Online schon vor einigen Jahren vorgestellte System der neuartigen Steuerung über einen Trigger, hatte für helle Aufregung gesorgt. Cage äußerte sich damals dazu, dass er kein Kamerasystem brauche “was hinter dem Charakter zurückbleibt – wir wollten einen echten Sinn der Richtungsweisung.”
Mit Heavy Rain soll ein Niveau eingeführt werden, dass den Spieler emotional fordert und diese Idee bringt uns gleich zur zweiten Kategorie bringt. Wie Cage im Interview mit Gamersglobal erklärte, sei seine neueste Produktion weder Action-Spiel noch Shooter-Game. Cage verspüre Mitleid mit jenen Entwicklern, die ihre Abnehmer lediglich systematisch eine Figur nach der anderen umbringen lassen, um das nächste Level zu erreichen. Dabei scheint er wohl zu vergessen, dass so Games überhaupt angefangen haben…
Mit einer fast schon nervtötenden Ironie macht David Cage darauf aufmerksam, dass die meisten Unfälle zu Hause passieren – in Heavy Rain würzt er das alltägliche Drama mit einigen unerklärlichen Phänomenen, fertig ist die PR-Suppe! Was Heavy Rain eigentlich ganz genau ist außer einer Kombination atemberaubender Grafik und einem kauzigen Entwickler, bleibt wohl bis zur europaweiten Veröffentlichung am 26. Februar 2010 ein Mysterium.
Via Computerandvideogames, ESRB, Destructoid, Edge Online, Gamersglobal









