Sag mir deinen BMI und ich sage dir, was du spielen kannst. So ähnlich sieht wohl die Zukunft für Xbox 360 Nutzer aus – zumindest wenn es nach Microsoft und dem amerikanischen Patentamt geht. Wie Golem berichtet ist das Patent unter dem schlichten Namen “AVATAR INDIVIDUALIZED BY PHYSICAL CHARACTERISTIC” seit Dezember 2009 offiziell beantragt.
Jedes kreierte Alter Ego, jeder Avatar soll individualisiert werden also direkt auf den entsprechenden Spieler zugeschnitten. Dafür möchte Microsoft gerne den Body-Mass-Index (BMI) erfahren, das Gewicht, Blutdruck, Blutzucker und im Groben jede messbare Funktion im menschlichen Körper. Diese Daten sollen auf einer Karte, der “healthcare smart card” gespeichert werden und sind auch für Krankenkassen und andere Dritte frei zugänglich – “real-time” Gesundheit für den ernährungsbewussten Gamer. Rechtlich wurde an Details beim Patent nicht gespart. So fällt bei der Auflistung der Punkte vor allem 10. bis 13. ins Auge. Sie fordern diverse Informationen an, um ein Gesundheitslevel zu erstellen, der die Aktivität, verfügbare Zeit und Handlungsmöglichkeiten in einer digitalen Umgebung definiert. Punkt 13 fordert dabei einen nachvollziehbaren stabilen Geisteszustand des Gamers. Damit der Sensor die Statur des Gamers auf Bugs überprüfen kann, wird das Smart Personal Object Technology (SPOT) getragen werden müssen. Ein Spot an Fingerspitze und Handgelenk überprüft die oben genannten Mechanismen des Körpers, teilt ihn einer Statistik zu und kann erst danach die Erlaubnis zum Zocken erteilen.
Der Antrag, der für einen ordentlichen Aufschrei sorgen sollte, steht in Verbindung mit Microsofts neuem Steuerungssystems Projekt Natal. Hierbei soll ein Sensor die Bewegungen und Physik des Spielers erfassen und eins zu eins übertragen ohne lästige Stichworterkennung oder Ruckeleien. Um dieses Prinzip so präzise wie möglich zu gestalten, könnte das Patent zur individuellen Anpassung hiflreich sein. Aber eben nur in der Theorie. Microsoft setzt sich damit in glühende Kohlen, zumal 2009 schon ein Jahr ungeheurer Datenskandal geworden ist und diese Idee nicht unbedingt “Benutzerfreundlichkeit” neu definiert. Im Gegenteil, es werden ganz andere fundamentale Fragen aufgeworfen. Wo zum Beispiel bleibt der Datenschutz? Ist es nicht vollkommen egal wie athletisch ein Gamer gebaut ist, um an einem Multiplayer Spiel teilzunehmen?
Ganz leise klopft das Patent an die Tür für Diskriminierung. Um sich den Effekt zu verdeutlichen muss beachtet werden, dass amerikanische Bürger gemäß dem Mythos immer noch gegen alles klagen, was ihnen in die Quere kommt. Aus juristischer Sicht würden sich die Entwickler der Xbox 360 in alle Richtungen absichern. Gleichzeitig wird damit auch in die Kerbe der Klischees gehauen: Gamer sind dick, die Spieler sitzen zu lange vor der Konsole und werden dadurch fett (um den Killerspiel-Mythos langsam abzulösen…), ein BMI über Wert X bedeutet Unglück, Verfall und seit Neuestem auch Spieleverbot. Gleichzeitig soll jedoch mehr Realität in die Game-Welt zurückgebracht werden, denn angeblich könne sich der Spieler nicht mit seinem regulären Avatar identifizieren und würde so an Selbstbild leiden. Selbstbild oder Selbstbestimmung? Das ist hier die wirkliche Frage! Die zweite Frage “Was darf ich essen?” wird in Gamerkreisen künftig heißen “Was darf ich spielen?” Doch wahrscheinlich dürfte ich mit dieser Einstellung gar nicht an die Konsole, denn Punkt 36 regelt, ob ich in einer geistig gelassenen Verfassung bin um das Spiel anzutreten und natürlich ob ich die Wahrheit sage. Healthy Xbox 360? Nein danke!






