Storytelling in Games – wichtiges Spiel-Element oder lediglich schmückendes Beiwerk?

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In den meisten aufwendigeren Spielen die es derzeit zu kaufen gibt darf eine Story, sei sie auch noch so banal und seicht, nicht fehlen. Dafür werden bei der Produktion meist eigens Storywriter engagiert, deren Aufgabe es ist eine Geschichte zu einem bestehendem Game Design zu schreiben, die sich möglichst gut in das Spielgeschehen einfügt und möglichst innovativ (beziehungsweise passend zu Trend und Zeitgeist) ist.
Besonders Rollenspiele aus Ost und West werben zumeist mit einer umfangreichen und einzigartigen Geschichte, die der Spieler mit den im Spiel vorhandenen Charakteren erleben kann.
Dabei werden diese Spiele, insbesondere JRPGs, zu halben Filmen; unterstützend zum Storytelling werden schön ausgerenderte Cut-Scenes eingefügt, die nicht nur als Unterhaltung und Entspannung zwischen Kämpfen fungieren, sondern auch als eine Art Belohnung gelten. Diese Cut-Scenes werden zumeist widerrum nicht vom Developer selbst produziert, sondern von einer spezialisierten Grafik-Firma hergestellt.
In so eine Hintergrund-Geschichte fließt also eine ganze Menge Kohle und Aufwand hinein, unabhängig von der Qualität der eigentlichen Geschichte.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage – in wie fern ist das denn bei einem Videospiel überhaupt sinnvoll?
Was hat eine Geschichte oder Erzählung im Grunde mit der Essenz eines Spiels zu tun? Und mit Essenz meine ich die Grundbausteine des Spiels, welche schon seit dem ersten (oder von mir aus auch 2. oder 10.) Brettspiel bestehen: Spielregeln, Sieg und Verlust. Im Falle von Videospielen wären das vielleicht Gameplay, Level, Winning-Condition und Player-Possibilities.
Verändert eine Story oder auch ein spezielles Setting irgend eines dieser Elemente?
Im Grunde genommen nicht, nein.

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Es ist für das Spiel an sich vollkommen egal ob man sich jetzt als pummeliger Klempner durch die Gegend bewegt und springt oder als kleiner Gummiball – laufen und springen bleibt laufen und springen.
Es ist für das Kampferlebnis in einer Action-Szene irrelevant ob man jetzt zu den Guten oder den Bösen gehört, man verfügt so oder so über die gleichen Attacken und Fähigkeiten.
Und im Endeffekt ist es auch unwichtig für die Skills, Ausrüstung und das Level des Charakters ob man jetzt den Namen Cloud oder Pikachu trägt.
Eine gute Story kann man, so wie sie in vielen Spielen vorkommt, auch viel billiger als Buch oder Film haben, vorausgesetzt man besteht nicht auf den interaktiven Aspekt.
Per Definition sind Game-Stories ja auch nichts anderes als Bücher bzw Filme, die in ein Spiel hineingepflanzt worden sind um sie für Käufer attraktiver zu machen, da sich diese in “menschliche” Charaktere erfahrungsgemäß besser hineinversetzen können.
Somit werden Emotionen und persönliche Bindungen mit dem Spiel aufgebaut, die dazu führen, dass ein eventuelles Sequel vielleicht ebenfalls gekauft wird.
Wie immer dreht sich auch hier alles ums Geschäft.

Es ist jedoch sehr wohl von Relevanz ob man jetzt nun laufen und springen kann oder sich lediglich in einem runden-basiertem Kampfsystem befindet und Attacke um Attacke den jeweiligen Sieg ausfechtet.
Es ist von enormer Bedeutung ob sich ein Charakter selbstständig bewegen kann oder nur durch Klicken und das Lösen von Rätseln durch das Level kommt.

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Versteht mich bitte nicht falsch, eine gute Story kann ein lahmes Spiel durchaus retten; man nehme zum Beispiel Brütal Legend. Eines meiner derzeitigen Favourites – das Gameplay ist von Vor-Vorgestern, doch der Hauptcharakter ist absolut sympathisch, die Spielwelt zum verlieben und der Humor sucht seines Gleichen. Das Spiel macht somit an sich einfach Spaß.
Brütal Legend ist meiner Meinung nach eines der besten Beispiele dafür, dass ein mittelmäßiges Spiel mit einer guten Story sehr wohl zu einem unterhaltsamen Erlebnis werden kann.

Oder nehmen wir die derzeit sehr aktuelle und beliebte Final Fantasy-Serie her.
Final Fantasy ist das Parade-Beispiel eines guten JRPGs: wunderschöne Grafiken, eine umfangreiche und opulente Spielwelt, ewig viele Spielstunden, runden-basierte Kämpfe mit 3-6 Protagonisten aus denen man wählen kann UND eine massive und ausgereifte Story mit komplexen Charakteren.
Final Fantasy steht seit jeher für eine gute Geschichte, die einen nicht selten auch noch nach Spielende zu beschäftigen weiß; man denke nur an die etlichen Foren, Fan-Fictions und Fan-Arts zu Final Fantasy VII oder VIII. Diese Foren diskutieren nicht wirklich viel über die einzelnen Spielelmente wie Kampf oder Level. Nein, hier ist zu 90% die Geschichte von Cloud oder Squall das Hauptthema.
Zu recht, man kann wohl getrost behaupten dass diese Stories wirklich gut sind. Es kann durchaus Spaß machen die Geschichte eines anderen in dessen Gestalt zu erleben, daran ist nichts auszusetzen.
Wir halten fest – Final Fantasy (egal welches) ist ein gutes bis sehr gutes Spiel.
Doch würde man die Story aus Final Fantasy heraus nehmen…was bliebe denn dann übrig?
Ein kompliziertes Schere-Stein-Papier Spiel mit Brunnen, Feuerring, Alien-Schiff, blöde Kuh, Bügeleisen und Boom-Boom als weitere Hand-Formationen die strategisch gegeneinander eingesetzt werden können.
Final Fantasy beweist somit, dass es Spiele gibt, die nur Aufgrund ihrer Story (und auch der herausstechenden Grafik) bestehen können.
Ein gutes Beispiel dafür wäre vielleicht auch das demnächst erscheinende Game Heavy Rain, oder Myst.

Shadow of the Colossus

Nun gehen wir mal zu einem Spiel mit wenig Story und noch weniger Charakteren, welches dennoch zu begeistern weiß und ebenfalls ein definitiv gutes Spiel ist - Shadow of the Colossus.
Einige Fans werden mir in Punkto wenig Story vielleicht nicht zustimmen, aber lassen wir den Aspekt der “nicht-ausgesprochenen-Geschichte” einfach mal weg, denn dieser wurde von nicht-Fans des öfteren nicht bemerkt.
Da bleibt ein Hauptcharacter, ein Pferd, Pfeil, Bogen, Schwert, eine dubiose höhere Macht und jede Menge Colossi zum verfolgen und zur Strecke bringen.
Keine langwierigen Dialoge, keine aufschlüsselnden Cut-Scenes, keine Story-Twists und keine weiteren Charaktere mit denen interagiert werden kann. Purismus pur, sozusagen.
Shadow of the Colossus gilt als Kritiker-Liebling und wurde auch von den meisten Core-Gamern als außergewöhnliches Spielerlebnis aufgefasst – obwohl oder vielleicht auch gerade wegen der fehlenden Geschichte im Hintergrund.
Shadow of the Colossus könnte in dieser Form wohl weder als Buch noch als Film viel taugen.
Nichts desto Trotz – es ist ein gutes Spiel.

Auch kleinere Spiele wie World of Goo oder auch Scribblenauts bestehen ohne komplexe Storyline und rein mit innovativem Gameplay. Diverse Brainjogging-Games kommen sogar komplett ohne Story aus.

Doch was passiert, wenn ein Spiel mit einer schlechten Story daher kommt? Kann eine schlechte Story ein gutes Spiel verderben?
Mit Sicherheit, viele gute Spiele gingen aufgrund einer banalen Geschichte mit noch banaleren Charakteren fast unbemerkt an den Spielern vorbei.
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Das muss aber natürlich nicht sein; die God of War-Reihe ist da mein liebstes Beispiel.
Egal wie man es dreht und wendet, God of War ist einfach und einfach genial. Dynamische Moves, simple bis knackige Rätsel und eine Prise Jump `n`Run verleihen der God of War-Reihe jede Menge Sucht-potenzial.
Doch so gut der ganze Feature-Kram ist, so miserabel ist auch die Story.
Natürlich ist sie bei Zeiten witzig und die übertriebene Theatralik ist mit Sicherheit auch sehr unterhaltsam, aber von qualitativ hochwertiger Story kann hier wohl nicht die Rede sein.
Aber mal ganz ehrlich: Wer spielt God of War schon wegen der Story?

Kommen wir also zu meinem persönlichem Fazit; ich kann die essenzielle Frage im Header wahrscheinlich nicht für alle beantworten, aber zumindest für mich selbst habe ich eine Lösung gefunden.
Wenn es um die Grundlegenden Elemente eines Spiels geht, kann man eine Story wohl kaum als essentiell relevant bezeichnen. Sie tut im Endeffekt nichts zur Sache. Prinzipiell ist eine Story ja auch nichts anderes als eine Geschichte oder Erzählung, welche ich genau so gut auch in einem Buch finden kann.
ABER - das soll nicht heißen, dass eine gute Story bedeutungslos ist. Wenn ich beim Spielen von den Geschehnissen gefesselt bin oder den jeweiligen Hauptcharakter sympathisch finde, kann dies ein Game sehr wohl auch aufwerten. Prinzipiell muss das aber nicht so sein.

Ein gutes Spiel ist somit nicht von einer guten Story abhängig, und eine gute Story ist nicht von einem guten Spiel abhängig. Beide Elemente sind separat zu betrachten, welche einzeln oder in Kombination auftreten können; egal aus welchen Gründen, ein gutes Spiel bleibt ein gutes Spiel.

So, nach all dem hin und her und meiner konfusen Auflistung würde mich aber nun auch eure Meinung dazu interessieren. Wie steht ihr zu Storytelling in Spielen und wie wichtig ist dieser Aspekt für euch?

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