PES 2010 vs. FIFA 10: Der König ist tot!

Pro Evolution soccer

Der eine oder andere geneigte Leser wird es inzwischen registriert haben: Ich bin ein Pro Evolution Soccer-Fanboy. Seit der ersten Ausgabe verfolge ich diese Reihe mit unerschütterlichem Enthusiasmus. Als ehemaliger aktiver Fußballer und Trainer wusste ich die taktische Intelligenz, die Nähe zur Realität an dem Spiel zu schätzen. Das oftmals zitierte “Duell der Giganten” war für mich niemals wirklich eines. Pro Evolution Soccer ist zweifelsfrei immer die Referenz im Genre gewesen.

Warum eigentlich FIFA?

Neben aller Fanboy-Kultur bin ich aber natürlich immer noch Journalist und muss mich auch fragen: Welche Vorzüge hat die Konkurrenz? Woher kommt der Erfolg, den FIFA ohne Zweifel in all den Jahren auch immer gehabt hat?

Unterhält man sich über die beiden großen Spiele, kommt nach nicht allzu langer Zeit immer ein Stichwort ins Gespräch: Die Lizenzen! Wenn es einen oberflächlichen Indikator für den Unterschied zwischen diesen beiden Titeln gibt, dann ist es sicherlich die enorme Datenbank, die FIFA seit jeher mit seiner Software mitliefert.

Nicht nur, dass man weltweit interessante wie uninteressante Ligen originalgetreu mit den echten Spielernamen besetzt hat, sogar die Gesichter der großen Helden stimmen mit ihren realen Vorbildern erstaunlich gut überein. Dieses Jahr setzte FIFA sogar noch einen drauf. Gegen eine kleine Gebühr, kann man sich über ein Jahr hinweg die Liga seiner Wahl wöchentlich aktualisieren lassen. Formschwankungen und Verletzungen der Spieler werden dann topaktuell gehalten, man kann sich an den realen Erfolgen und Misserfolgen seines Vereins messen lassen.

Arm, ärmer, PES-Lizenzen

Was bietet Pro Evolution Soccer dagegen? Nun, das Bild stellt sich seit jeher eher ärmlich da. Zwar konnte man seit letztem Jahr zumindest die Champions-League Lizenz ergattern, die größten Vereine der Welt wurden (teilweise allerdings unter falschem Vereinsnamen) nachgebaut. Aber das Potential des deutschen Fußballmarkts scheint in Konamis Kalkulation noch nie eine große Rolle gespielt zu haben. Meistens verzichtete man komplett auf deutsche Vertreter im originalen Namensumpf.

Doch selbst da, wo man die Lizenzen hatte: Die Umsetzung war schlampig. Mit Grauen denke ich daran zurück, wie man bei PES 2009 nicht in der Lage war, innerhalb von vier Monaten zwischen Bekanntgabe und Release den spektakulärsten Wechsel der damaligen Saison, den von Robinho von Real zu ManCity, in das Spiel einzubauen.

Kurzum: Die kärglichen Lizenzen in PES waren noch nie ein Argument FÜR das Spiel. Es ist der große FIFA-Pluspunkt. Nur wen spricht dieses Feature an? Meiner Einschätzung nach, ist dieser Punkt der Grund für die große Verbreitung des Spiels im Teenager-Lager. Wenn Fußballer noch Idole sind, dann kann es wichtig sein, dass man so nah wie möglich an der Realität spielt. Mir war es egal, ich wollte ein gutes Fußball-Spiel.

Spielerisch konnte FIFA meiner PES-Reihe noch nie das Wasser reichen. Zu schnell fand man bei jedem FIFA sichere Spielzüge heraus die immer wieder funktionierten, zu wenig konnte man ein Spiel taktisch gestalten, konnte Ruhephasen ins Spiel einbauen, Tempo variieren. Zu schlecht ist seit jeher die Balance zwischen den Schwierigkeitsgraden.

Das Schlüsselelement in Generation 10

Jede Generation hat ihr Schlüsselelement. Ein Feature, an dem beide bahnbrechend neu für ihr Spiel gearbeitet haben. Im letzten Jahr war das der Be a Pro/ Werde zur Legende – Modus, dieses Jahr dreht sich alles um das 360°-Dribbling. Es ist müßig, aufzudröseln, wer hier welches Feature zuerst überlegt hat, in Zeiten hervorragender Industriespionage haben jedenfalls beide Franchises an der Umsetzung gearbeitet.

Nach mehreren Tagen Praxis in beiden Spielen ist mir der entscheidende Unterschied in der Umsetzung aufgefallen: Während FIFA in erster Linie an der Spielerumgebung gearbeitet hat, hat PES sich an der Ballumgebung orientiert. Sprich: Die Bewegung der Spieler hat sich nicht verändert, nur die Ballphysik wurde verfeinert.

Damit hat PES aber keine Chance gegen die wirklich gelungene technische Neuerung bei FIFA. Insbesondere mit der Möglichkeit, sämtliche Pass und Schusshilfen abzuschalten, ist FIFA gerade für Profi-Zocker in eine neue Dimension der komplexen Möglichkeiten aufgestiegen. Noch nie zuvor war man bei einer Fußballsim so nah an der echten Bewegung eines Fußballers angelangt.

PES – Hingeklatscht und hingesch…

Was hat PES 2010 denn nun neues zu bieten? Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Sicher, grafisch wurde wieder mal poliert. Aber selbst die Animationen beim Torjubel wurden unverändert beibehalten. Der eigentlich geniale Legende-Modus wirkt weiterhin steril und abwechslungslos, dass Potential wurde einfach nicht ausgeschöpft. Nur ein wenig mehr Dekoration, vielleicht mal ein Trainergespräch, individuellere Verbesserungsvorschläge, eine Fanbeliebtheitsskala, und der Modus hätte neu glänzen können. Nichts dergleichen ist die Realität.

PES 2010 ist PES 2009 mit minimal netterer Grafik. Damit kann man das Duell gegen FIFA 10 nicht gewinnen. So leid es mir tut: Der König im Fußballsim-Genre wurde gestürzt.

Wer ist der neue König?

Wenn PES nichts taugt, kann FIFA doch eigentlich nur gewinnen. Natürlich tut es das auch, aber ist es wirklich ein gutes Fußballspiel? Das 360° Dribbling ist ein Hit, wirklich eine monumentale Veränderung, doch ansonsten gilt hier leider wie schon unzählige FIFA-Male zuvor: Mehr Schein als Sein. Die Präsentation ist wie immer überragend, Spielernamen und die neue Update-Funktion überzeugen auf ganzer Linie.

Aber wenn es in die Materie geht, sehe ich hier wieder nur ein Video- und kein Fußballspiel. Die Mitspieler verhalten sich taktisch immer noch unklug, egal wie genau ich die Taktiken vorher einstelle. Der Gegner kennt wieder nur eine Angriffslinie: So früh wie möglich. Eine Partie ist eine ununterbrochene Ansammlung von spektakulären Höhepunkten. Tempovariation Mangelware. Sinnvolle ballorientierte Verteidigung? Ich kenne C-Jugend-Spieler die das um Längen intelligenter praktizieren.

Für einen Fußball-Fan wie mich ist dieses Spiel nichts als Knöpfchendrückerei, auf jeden Fall keine Fußballerfahrung.

Es ist ein dunkles Jahr im Fußball-Genre, auch wenn FIFA sich nun an die Spitze setzen konnte.

Es bleibt nur zu hoffen, dass Konami sich zum nächsten Mal mehr anstrengt. Mit solchen Spielen wie dieses Jahr verliere ich meine Fußball-Game Passion. Jetzt setze ich mich auf jeden Fall erstmal an die Konsole und schwelge in wunderschönen PES 2009-Zeiten.

Kommentare

18 Kommentare zu “PES 2010 vs. FIFA 10: Der König ist tot!

  1. fotti am 22. November 2009

    pes 2010 auf ps3 einfach unspielbar. bin seite 2001 pes zocker aber so eine schrot pes noch nicht gesehen.reagiert alles irgentwie langsam und verzögert,schüssen absolout übertreibung und unrealistisch.nur grafik etweas besser geworden.ein grosser rückschritt für konami.

  2. fotti am 22. November 2009

    weiss jemand ob der neu aktualisierte Patch (24.11.09)eine Spielverbesserung bringt (schnellere Reaktion der Spieler) oder nur aktuelle Transfers.

  3. FabZ am 6. Dezember 2009

    PES hat Fifa schon seit Jahren abgelöst!!!!Denn die Patches zu diesem Spiel machen es einfach um längen besser als fifa, und das preis leistungsverhältnis ist einfach mal doch eher bei pes zufrieden stellend als bei fifa. und wie gesagt wer die richtige bundesliga will patcht das spiel einfach und fertig!

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