
Während der letzten Jahre wurde der gewöhnliche PC als Spiele-Plattform von Microsoft ziemlich sträflich vernachlässigt. Und zwar so sträflich, dass man schon fast auf eine Entschuldigung seitens Microsoft wartete. Diese kam allerdings auch prompt im Jahr 2006 vom Vize-Präsidenten Peter Moore. Dieser versprach, den PC wieder mehr in den Fokus spieletechnischer Entwicklungen im Hause Microsoft zu rücken.
Dass dieser Versuch mit dem Vista-Betriebssystem gründlich misslang, ist hinreichend bekannt. Doch wie sieht es mit dem neuen Windows 7 aus? Kann man sich auf ein perfektes Betriebssystem für Gamer und damit auf das Ende aller Abstürze, Fehlermeldungen und anderer Spielspaßfeinde freuen? Oder wird man auf dem PC nie die Qualität einer Spielekonsole erreichen? Matthew Murray, der Managing Director von Extreme Tech, sieht für Windows 7 keine großen Vorteile gegenüber dem Vorgängersystem. Abgesehen von einer besseren Speichernutzung und etwas höherer Geschwindigkeit in einigen Bereichen bietet es keine nennenswerten Neuerungen. Allerdings war das damalige Gelübde zur Besserung auch an die „Games for Windows“ Kampagne geknüpft, die zusammen mit Windows Vista gestartet wurde, allerdings keinen direkten Bezug zu dieser hatte.
Die dahinterstehende Idee war, dass Spiele, die das Windows-Logo auf der Packung haben, bestimmte Kompatibilitätskriterien erfüllen müssen. Zu den interessantesten Features zählte aber die Idee, Spiele wie auf einer Konsole sofort spielen zu können, ohne die langwierige Installationsprozedur zu durchlaufen. Leider wurde dieses System, dass auf den Namen Tray and Play hört, nur bei einem einzigen Spiel, nämlich Halo 2 eingesetzt. Eines der auffälligsten Ergebnisse der Kreuzung zwischen Vista und „Games for Windows“ waren der Game Advisor und der Games Explorer. Ersterer erfasste die technischen Details des benutzten PCs und konnte so eine Einschätzung abgeben, ob ein bestimmtes Spiel auf dem entsprechenden PC funktionieren würde.
Der Games Explorer sammelte alle auf einem PC installierten Spiele und stellte sie in einem Ordner dar. Dabei wurden aber leider oft Spiele nicht dargestellt, die über Onlineshops erworben wurden. Bei Windows 7 haben Spielehersteller nun die Möglichkeit, sich dafür zu entscheiden im Game Explorer aufgeführt zu werden, wenn eines ihrer Spiele installiert wurde. Der Spieler wird dann sogar noch über neueste Entwicklungen des Spiels oder des Unternehmens informiert. Auch Updates oder Patches werden automatisch heruntergeladen und installiert, sogar ohne dass dafür ein Start des Spiels notwendig ist. Zu guter letzt kann der Gamer sogar sehen, wie lange und wie oft er ein Spiel gespielt und wie oft er verloren oder gewonnen hat.
Murray steht diesen Neuerungen noch kritisch gegenüber, denn er benutzt den Games Explorer gar nicht erst. Wie die meisten anderen Windows-User steuert er seine Anwendungen über die Symbole in der Taskleiste, ohne dafür extra ein Programm aufzurufen. Davon abgesehen gibt es auch keine weiteren Änderungen, die den Spieler von den Socken hauen. Das wirkliche Versäumnis von Microsoft besteht aber darin, die durch das neue Betriebssystem kreierte Aufmerksamkeit nicht zu nutzen, um den PC als Spieleplattform zu promoten. Der versprochene Marketingaufwand der „Games for Windows“-Kampagne blieb aus, stattdessen konzentrierte man sich weiterhin auf die Xbox 360, so dass der PC stets an zweiter Stelle blieb.
In dieses Vakuum stieß die PC Gaming Alliance, ein Verbund aus Chip- und PC-Herstellern, die den angeschlagenen Ruf des PCs wieder herstellen wollen. Falls Microsoft tatsächlich irgendwann den PC als ersthafte Alternative zu Spielekonsolen etablieren möchte, werden in Zukunft mehr als Lippenbekenntnisse nötig sein. Allerdings stellt sich die Frage, ob dies angesichts der Anpassungsfähigkeit der PC-Gamer und dem zunehmenden Erfolg von Spielekonsolen wirklich nötig sein wird.





