
Auf einer Spielemesse nach Kuriositäten zu suchen hat eine gewisse Absurdität in Sich. Zwischen Klempnern die auf grünen Dinosauriern nach Prinzessinen jagen und Peter Molyneux wirken die Stände aus der Politik dann aber ganz plötzlich irgendwie wie das z in der Reihe “1, 2 ,3, z, 4, 5″.
Der Stand von Hape Kerkelings HSP kann ja so gerade eben noch durchgewunken werden, die junge Union wirkte da schon deutlich fehlplazierter. Immerhin handelt es sich bei den Jung-Konservativen um die Jugendorganisation der Schwesterpartei der CSU (Ein Verhältnis, für das ich den Begriff der Tanten- bzw. Nichtenpartei erfunden habe). Jene CSU die auch in Bayern eben jenen Innenminister stellt, der sich vor einiger Zeit mit der Gleichstellung von Counterstrike-Spielern und Kinderpornografen in der gesamten Szene äußerst beliebt gemacht hat. Auch auf Nachfrage konnten die Standvertreter den resultierenden Konflikt nicht wirklich auflösen.
Was bei der JU noch halbwegs amüsant wirkte, wird höchst ärgerlich wenn man den unübersehbaren Stand der Bundeswehr entdeckt. Mit Soldaten in Uniform, einem echten Panzer und anderem militärischem Gerät lockte man jugendliche Gamer an die Informationsstände und warb für eine Karriere im Kriegsdienst. Mit geradezu beleidigend offensichtlichen Assoziationsketten (“Killerspiele => Dienst an der Waffe”) ging man in die Spielemesse einer Branche, die verzweifelt darum kämpft, virtuelle Unterhaltung und reale Gewalt in den Köpfen der Gesellschaft zu trennen. Eben jener Staat, der sich Sorgen darum macht, dass Jugendliche verrohen, der Staat, der sich als Hüter der Moral aufspielt wenn er Videospiele verteufelt, genau dieser Staat spricht diese Jugendlichen jetzt direkt an und lässt nicht den Hauch eines moralischen Zweifels aufkommen, wenn man mit professionell optimierter Werbung zum staatlich subventionierten Töten aufruft.
Wie man sagt zum Schutz des Lebens von Jugendlichen gibt es ein Werbeverbot für Tabakwaren. Sieht keiner die Parallelen zur Werbung für den Kriegsdienst? Blitzt da kein Lämpchen auf, wenn man in den Nachrichen mal wieder sieht, wie deutsche Soldaten erst in einen grundfalschen Krieg nach Afghanistan geschickt werden um ihnen dann aus bürokratischen Gründen zu verbieten, ihr Leben zu verteidigen bis sie dann endlich beschossen werden?
Die leichte Beeinflussbarkeit der Jugend wird hier gnadenlos ausgenutzt, zusätzlich wird das Klischee einer gewaltbegeisterten Branche weiter geschürt obschon man selber doch der einzige ist, der wirklich reale Gewalt auf die Gamescom gebracht hat. Der Auftritt der Bundeswehr war eine Unverschämtheit.
Burn Out!





