Warum spielst du Videogames?

a-life-well-wastedRobert Ashley, ehemaliger Redakteur bei EGM stellt genau diese Frage in der dritten Episode seines Podcasts “A Life well wasted“, den ich jeden nur wärmstens ans Herz legen kann – ein Kunstwerk.

Bei Interviews auf der Game Developer Conference schnappt er sich eine Vielzahl von Leuten, die in der Branche arbeiten und stellt ihnen genau diese Frage. Zu meiner Überraschung sagen rund 99% der Leute das selbe ins Mic: “Weil es Spaß macht“, “Weil ich es seit frühester Kindheit gemacht habe“, “Weil ich der Realität entfliehen will” oder sogar “Ich habe zuviel Freizeit, die verbringe ich mit Games.“.

Solche Antworten klingen für einen “normalen” Menschen eher schockierend. Hat ein Gamer keinen Spaß am Leben? Ist der typische Gamer ein Gewohnheitsmensch der eigentlich nichts neues machen will? Ist das reale Leben eines Gamers so grausam, dass es virtuelle Polygone braucht, um abends zufrieden ins Bett zu gehen? Wissen Gamer nichts besseres, ihre Freizeit zu verbringen?

robert Eine Flucht ist immer etwas negatives und zuviel von einer Sache tut keinem gut. Zuviel Alkohol ist ebenso ungesund wie zuviel Wasser und so ist auch zuviel Game nicht das Beste. Ist das Leben denn wirklich so schrecklich, dass man in eine virtuelle Realität eintauchen muss um dem Alltag zu entkommen? Sind Gamer generell Leute, die in ihrem Leben wenig Freude haben, nicht viel erreicht haben bzw. keine Spaß mit anderen Dingen haben können?

Wenn ich mir dann Gamer in meiner Freundesliste ansehe, die an einem perfekten Samstag nachmittag, an dem die Sonne scheint und die Vögel zwitschern, ihre Zeit vor der Konsole verbringen, dann kommt in mir das Gefühl hoch, dass Games eine Zeitverschwendung sind. Auch Ashley spricht das Thema in seinem Podcast an und hat dazu auch einen besonderen Interview Gast geladen.

Games with a Purpose – kurz GWAP – setzt sich damit auseinander, wie man die “vergeudete” Zeit, die ein durchschnittlicher Gamer mit Videogames verbringt, besser nützen kann. Der durchschnittliche amerikanische Gamer spielt bis zu seinem 21. Lebensjahr ganze 10.000 Stunden Games – das entspricht einem Full-Time Job von 5 Jahren in denen andere z.b den Panama Kanal gebaut haben. Gamer hingegen haben in diesen 5 Jahren absolut NICHTS konstruktives geleistet bzw. der Allgemeinheit gegeben. Ein Grund, weshalb Achievements so erfolgreich für Microsoft wurden, könnte genau dahinter liegen, dass eben auch Gamer etwas erreichen wollen, aber diese Diskussion würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.

videogamesUnd so viel die 10.000 Stunden klingen mögen – es ist völlig klar, dass jeder Mensch auch seine Pause vom arbeiten braucht und daher klingt der Seitenhieb, Games wären eine Zeitvergeudung, wie ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Doch darf man dabei nicht vergessen, dass beim Videogame-Konsum meist das Gehirn mehr denn je arbeiten muss und somit auch die oben angesprochene Pause relativ wirkt. Und will man der Gesellschaft etwas Gutes tun und trotzdem noch dabei spielen, ist man bei Games with a Purpose genau richtig.

Games with a Purpose hat dazu einige Spiele entwickelt, bei denen die Spieler Arbeiten übernehmen, die Computer derzeit noch nicht erledigen können. Jeder von euch kennt wohl den Google Image Labeler, bei dem gemeinsam mit einem anderen, anonymen Spieler gemeinsam ein Bild auf den Monitor bekommt und es dann darum geht, den selben Begriff zu raten. Das Spiel erfreut sich nicht nur sehr großer Beliebtheit sondern entstammte eigentlich von Games with a Purpose und die Daten (wo die Spieler ja den Inhalt eines Bildes beschreiben) werden mittlerweile dazu genützt, die Google Bilder Suche, die lange Zeit auf Filenamen basierte, zu verbessern.

Der Erfolg von GWAP zeigt also, dass es eine Vielzahl von Personen gibt, denen es nicht nur darum geht, die neueste Grafik auf dem Monitor zu sehen. Der Hauptgrund, weshalb man Videogames spielt, ist der Spaßfaktor. Und unabhängig von Konsole, Grafik, Musik etc. sollte der Spaßfaktor an erster Stelle eines Videogames stehen. Ein klarer Grund, weshalb Games wie Wii Fit, Wii Sports etc. um ein vielfaches mehr verkaufen als andere, mehr auf die Hardcore-Zielgruppe abzielende Games.

spielesucht1Weshalb ist es also, dass sich Hardcore Games selten in sehr großen Stückzahlen verkaufen und die Publisher trotzdem weiterhin wehement auf diese kleine Gruppe von Personen abzielen. Kann man davon ausgehen, dass ein Hardcore Gamer aus den oben genannten Gründen spielt? Macht ihn das zu einem “Verlierer” innerhalb der Gesellschaft?

Eines ist für mich zumindest klar: Wer der Realität entkommen muss, der macht etwas in seinem Leben falsch. Ich persönlich spiele aus dem sozialen Aspekt und nur in den geringsten Fällen spiele ich ein Singleplayer Spiel wenn ich die Wahl habe. Entkommen muss ich von meiner Realtität auch nicht, spiele aber trotzdem regelmässig. Und wer am Samstag nachmittag die Sonne meidet, der hat entweder eine Hautkrankheit und muss der Sonne ausweichen, ist süchtig nach einem Hobby wo er von Nullen und Einsen befohlen bekommt, was er tun muss oder hat ganz einfach ausgedrückt wirklich ein Problem in seinem / ihrem Leben.

Mich würde interessieren, warum die Leser von eLhabib.at spielen? Die Suche nach mehr Spaß im Leben? Pure Langeweile? Dem Leben zu entkommen oder gibt’s da wirklich noch andere Gründe, weshalb ein Spiel eingelegt wird und man mit zwei Händen ein Joypad bearbeitet.

Harald Bock

Harald spielt seit seiner ersten Konsole (Pong Telesystem 1979) grundsätzlich nur auf Konsolen. Er ist leidenschaftlicher Sammler (52 Systeme) und würde gerne mehr Platz in der Wohnung haben um seine Sammlung auch genießen zu können!
Kommentare

6 Kommentare zu “Warum spielst du Videogames?

  1. Master Of Darkness am 14. Mai 2009

    hmm, Ich bin ebenfalls Gamer und das mit 27 Jahren, an dieser Umfrage ist echt was drann und ja auch ich mag die Realität absolut nicht.Es geht mir eher darum ich bin froh wenn ich zuhause bin.. Was die Sonne angeht ich kann die volle Hitze nicht leiden und mag eher den Winter ich bekomme eher kopfschmerzen von zu starker Sonne! das hat mit Krankheiten absolut nichts zu tun! Früher als ich 13 Jahre war, war ich tagtäglich draussen bis zum meinen 20. Lebensjahr jetzt hab ich genug gelebt und habe keine lust mein geld draussen auszugeben. Ich mag es alleine zu sein und schöne Spiele zur abwechslung zu Spielen.. Freundin brauche ich keine ich bin Glücklich mit meinem Leben wie es ist.. Ich bin ein Stubenhocker und das macht mir absolut garnichts aus!

  2. Shinigami am 14. Mai 2009

    Also ich arbeite selbst seit einigen Jahren in der Industrie und kann darüber wirklich nur lachen. Nicht dass ich diesen Artikel ins lächerliche ziehen will, aber es ist ja nun mal so, dass wenn ein Gamer seine Zeit mit zocken verbringt, so tut er etwas für sich selbst. Er hat Spass, muss denn jeder Gamer was für die Allgemeinheit tun ?!? Wenn es darum geht, ich kenne soviel Leseratten die Stundenlang am Tag ein Buch lesen.... was ist mit denen ? Diese tun ebenfalls nix für die Allgemeinheit.... Sollte es hier nun "Books with a purpose" geben ? Was ist mit der Film Industrie ? Menschen die den ganzen Tag TV sehen... Wenn ein Mensch sich entscheidet seine Freizeit mit Spielen zu verbringen, so sollte man ihn nicht kritisieren, sondern es respektieren. Jeder Mensch lebt nur einmal und sollte dass tun was ihm am meisten Spass bringt. Man lebt schließlich immer noch für sich selbst und nicht für andere.

  3. user113 am 14. Mai 2009

    ich bin alt genug um zu wissen, dass ein game kein rückzugsgebiet seiner selbst ist - und es auch nicht sein darf. Ich spiele zur Unterhaltung. Ich spiele wann ich will und wenn ich Lust habe, also scheiden für mich monatliche bezahldienste der MMORPG aus. Auch sind mir Gilden und dieses Team Gezocke egal. Ich vereinabre keine termine odgl. Wie gesagt, ich zocke wenn ich Lust habe. Meine Spielzeit pro Woche sind je nach Lust und Laune 2-10 Stunden. Dann wieder mal ne Woche nichts. So komm ich im Monat selten über 20 Stunden. Ich zock auch nicht jedes dahergelaufene Game, kaufe auch selten bei Release. Ich wäge ab was mir gefällt und kaufe dann nach einigen Monaten günstig ein, wenn die games ordentlich gepatcht sind.

  4. Mario am 19. Mai 2009

    Vieles im Leben hängt von der Menge und der Prise ab. Klar machen Games Spaß und sind oftmals überhaupt keine Zeitverschwendung. Dennoch darf man es nicht übertreiben, sonst vergisst man alles um sich herum und man tut nichts mehr anderes als spielen: (mögl.) Konsequenzen: - Vernachlässigung wichtiger Aufgaben (Job, Schule) - Vernachlässigung von Freunden/Familie - Vernachlässigung der persönlichen Selbstentfaltung (durch Games alleine kann man - etwas übertrieben ausgedrückt - keine Familie ernähren, auch wenn das in seltenen Fällen funktionieren mag!) uvm. Ich persönlich spiele Games aus zwei verschiedenen Gründen: 1. Einerseits spiele ich manche Games (z.B.: Silent Hill) der Story wegen, weil ich wissen will, was passiert und wie die Geschichte weiter geht. Mit anderen Worten, manche Games sind für mich interaktive Alternativen zu Filmen und Büchern. 2. Andererseits spiele ich Games um entweder alleine oder in der Gruppe (z.B.: Buzz, Worms) Spaß zu haben. Gemeinsam spielen, gemeinsam lachen, das ist die perfekte Kombination.

  5. der Metatron am 19. Mai 2009

    Also das Problem der Vereinsamung ist auch bei kommunikativen Games wie WoW gegeben. Sicherlich trifft das nicht auf alle Gamer zu, doch auf einige. Ich halte reines Stubenhocken für ebenso psychologisch auffällig, wie exessives Partymachen. Auch mit dem Lesen ist es gleich. Alles was im Exzess durchgeführt wird hat einen tieferen Hintergrund. Auch die Aussage unseres 27 jährigen Erstkommendatoren ist auffällig. Warum kein Partner? Weil man keinen braucht, sorry, aber da lach ich mich tot drüber. Jeder Mensch ist von Natur aus kein Einzelgänger, Menschen brauchen "echten" kontakt. Sagt jemand, dass er keinen braucht, dann liegt da irgendwo ein nicht verarbeitetes Trauma vor, das zu erörtern ist aber zu vielschichtig und hier ist nicht der richtige Platz. Games, Filme, Bücher, Musik etc. kann alles für eine Relitätsflucht benutzt werden und das ist auch gut so, doch sollte man ab und an mal seinen Kompass justieren und nicht vergessen wo das echte Leben passiert und das ist weder vor der Flimmerkiste, hinter dem Controller oder auf den Seiten eines Buches.

  6. JC am 27. Juni 2009

    Na ja - mit 36 Jahren und als Spieler der ersten Stunde mit Pong und C64 kann ich mich über diese Diskussionen eigentlich nur wundern... Spielen liegt in der Natur von Menschen, wie auch Tieren und letztlich ist es eben ein Zeitvertreib, der nicht immer einen Sinn haben muss. Menschen müssen sich entspannen und tun es auf die verschiedensten Weisen - die einen Lesen, die Anderen schauen TV und die Nächsten gehen zum Sport. Letztlich sollte man in unserer Zeit nicht immer Alles mit einem Sinn belegen, sondern auch einfach mal locker und leben lassen! Wenn jemand seinen Samstag mit Spielen verbringen möchte dann ist das doch ok und hat nichts mit Krankheit oder Flucht zu tun (genau hier macht sich der Autor auch unglaubwürdig, da er populistisch argumentiert). Ich spiele z.B. sehr gerne Spiele und für mich ist es nach 10 h Arbeit einfach auch eine angenehme Methode den Kopf mal freizukriegen, da er auf andere Weise gefordert wird. Das ist dann Entspannung. Natürlich klappt das auch nicht jeden Tag, aber eine gewisse Regelmässigkeit gibt es da schon, was aber sicherlich nichts mit Abhängigkeit etc. zu tun hat. PS: Ich bin 36, habe eine intakte, fast 20-jährige Beziehung, 2 Kinder und diverse Tiere, bin selbstständig, sozial engagiert und mache regelmässig Sport... soviel zu dem Gamer-Klischee! Ach - und noch was... man sollte auch mal betrachten, dass es mittlerweile bestimmt auch viele Menschen in Deutschland gibt, die es sich gar nicht mehr leisten können oder wollen, gross in Kneipen oder Kinos zu gehen! Leute müssen abwägen, was sie mit ihrem Geld machen und ich glaube, dass viele dann doch lieber in den längeren Spass eines Spiels investieren (zumal das oftmals auch mit Freunden stattfindet).

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