
Direkt im Anschluss an die Intel Friday Night Games in Oberhausen haben wir mit Tobias Merklinghaus, PR-Manager bei Veranstalter Turtle Entertainment, gesprochen. Tobias fasst für uns das Event zusammen und erklärt das vorsichtige Vorgehen von Turtle Entertainment in der “Killerspieldiskussion”.
eLhabib: Hallo Tobias. Direkt im Anschluss an die Veranstaltung die Nachfrage: Wie fällt die erste Bilanz aus? Lief alles zur Zufriedenheit, gab es Probleme?
Tobias Merklinghaus: Hi. Ja, ist aller super gelaufen. Bei den Matches gab es Spannende und nicht so Spannende. Wir hatten im Counterstrike: Source ein ziemlich eindeutiges 16:3, dafür aber ein sehr spannendes 16:13 im Counterstrike 1.6. Die Stimmung war wirklich super, die Jungs vom n!faculty-Fanclub haben mächtig Krach gemacht. Alles in allem ein super Event!
eLhabib: Du sprichst es gerade an: Das erste Match des Abends (SNOGARD Dragons – Raptor Gaming 16:3) lief ziemlich einseitig ab. Was war los bei Raptor Gaming?
Tobias Merklinghaus: Das Counterstrike: Source Team von Raptor Gaming wurde vor zwei Tagen von Raptor entlassen. Ich will mich jetzt nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, da gab es eine Menge interne Streitereien. Zusätzlich ist ein Spieler aus dem Stammteam nicht angetreten, man musste also mit dem Stand-in spielen. Da fehlte letztendlich die Übung und vielleicht auch die Motivation weil man jetzt nur noch irgendwie die Saison zu Ende bringen will. Hinzu kommt, dass SNOGARD immer noch theoretische Chancen aufs Finale hat und natürlich nichts zu verschenken hatte.
eLhabib: Wenn man sich in der Halle hier umsieht wird man von der High-Tech Masse in allen Ecken richtiggehend erschlagen. Weißt du, wieviel Geld hier ungefähr in der Technik steckt?
Tobias Merklinghaus: (lacht) Das ist eine gute Frage. Genau kann ich das leider garnicht sagen, aber es ist einiges was hier reingesteckt wird. Alleine für jeden einzelnen Gamer brauchen wir absolute High-End Hardware. Es geht bei den Spielen um jeden Frame pro Sekunde der im Endeffekt über Sieg und Niederlage entscheiden kann.
eLhabib: Ihr habt mit bis zu 1200 Zuschauern gerechnet. Ging der Plan auf?
Tobias Merklinghaus: Das hat ungefähr geklappt, ich rechne mit irgendwas zwischen 1000 und 1200 Zuschauern. Die genaue Zahl habe ich noch nicht, aber gerade wenn man bedenkt, dass wir erst letzte Woche in Bochum waren, war die Veranstaltung schon wirklich gut besucht. (Es waren über 900 Besucher, Anm. d. Red.)
eLhabib: Das sind erstaunlich hohe Zuschauerzahlen für ein eSport-Event. Ist die ESL in ihrer 14. Saison inzwischen auf ihrem Höhepunkt angekommen? Wie siehst du das Entwicklungspotential für die Zukunft?
Tobias Merklinghaus: Ich sehe uns definitiv noch nicht auf dem Maximum angekommen. Wir haben diese Saison einen Zuschauerschnitt der nur in der 12. Saison schon mal so hoch war. Bei fast jedem Event kommen wir auf 1300 bis sogar 1500 Besucher. Wir sind jetzt noch gespannt darauf, wie viele Zuschauer die Finals besuchen werden. Ich bin mir sicher, dass wir in den kommenden Jahren noch weitere Zuschauerrekorde brechen werden.
eLhabib: Es gibt bei all den guten Nachrichten aber auch immer wieder schwieriges Feedback. In Stuttgart und Nürnberg kam es zum Verbot der Veranstaltung (wir berichteten ). Wie geht ihr als Veranstalter damit um?
Tobias Merklinghaus: Für uns ist es natürlich sehr schade das wir die Veranstaltungen absagen mussten, gerade weil wir auch immer die Eltern-Lan im Angebot haben, sprich: Wir wollten, in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung, den Eltern und Pädagogen die Möglichkeit geben, sich die Spiele selber anzuschauen um so zu zeigen, dass Vieles nicht so schlimm ist, wie es medial aufgebauscht wurde. Unserer Erfahrung nach kommen die meisten Teilnehmer der Eltern-Lan nämlich genau zu diesem Schluss. Diese Chance wurde uns in diesen Fällen leider genommen. Wir können die Verbote nicht nachvollziehen. Für uns ist eSports ein Sportevent und das hat nichts damit zu tun, dass wir gewalttätig sind oder uns freuen würden, wenn Leuten in den Kopf geschossen wird.
eLhabib: Eines der Hauptprobleme der Computerspiellobby ist, dass eben keine echte politische Lobby für die Interessen der Spielerseite eintritt. Hätte die ESL als Vorreiter des eSports nicht eigentlich die seltene Chance, mehr in diese Richtung zu arbeiten?
Tobias Merklinghaus: Wir machen uns schon viele Gedanken darüber, diskutieren oft, was wir noch machen könnten. Im Moment ist es in Folge des Winnender Amoklaufes eine sehr schwierige Phase für die gesamte Branche. Wir wollen uns aber auch nicht zu sehr in dieses Rampenlicht drängen. Wer sich ins Rampenlicht drängt und versucht, Gegenargumente zu liefern, der gesteht sich eine Teilschuld ein. Wir sehen uns aber nicht im Ansatz schuldig für irgendeinen Amoklauf. Deswegen machen wir im Moment erstmal weiter wie bisher. Gegenwärtig müssen wir akzeptieren, dass wir Spielball des Wahlkampfes sind. Aus unserer Sicht fehlt auch uns da immer noch die Lobby um mit einer Auflehnung dagegen etwas bewegen zu können.
eLhabib: Zum Abschluss noch mal ein anderes Thema: Die ESL wird veranstaltet von Turtle Entertainment. Ihr habt aber auch noch andere Ligen im Programm?
Tobias Merklinghaus: Das ist richtig. Wir haben im Grunde ein klassisches Ligensystem wie man es auch aus normalen Sportarten kennt. Da gibt es die Intel Extreme Masters als Pendant zur Champions League, die WC3L für die Warcraft 3 Champions, die European Nations Championship, also die Europameisterschaft. Rundum bieten wir Spielern weltweit die Möglichkeit, das Beste aus sich herauszuholen und sich mit den Besten zu messen.
eLhabib: Vielen Dank für das Gespräch direkt im Anschluss an einen sicher anstrengenden Tag.





