Es kennt sie wohl jeder: Die Wertung am Ende eines Game-Reviews.
Faule Leser können durch sie mit einem Blick eine Grundlage für seitenlange Diskussionen in diversen Foren bilden. Hersteller und Spielvertriebe nehmen hohe Wertungen auch gerne auf die Verpackung eines Spieles um somit dem Kunden, der uninformiert ein Produkt im Regal sieht, einen Anstoss zum Kauf des selben zu geben.
Egal ob in einer 10er Skala, einer 100er Skala oder mit Sternchen versehen – Wertungen bei Game Reviews sind schlichtweg eine sinnlose Maßnahme die in den meisten Fällen (so behaupte ich einfach) dazu dient, den Herstellern in den A*** zu kriechen. Seiten wie Metacritics versuchen, über den Durchschnitt vieler Reviews, einen ehrlicheren Ansatzpunkt zu geben, was ein Spiel kann und ob es sein Geld wert ist.
Und genau hier liegt das Problem. Unter dem Aspekt, dass Game Reviews eine Daseinsberechtigung haben (was ich persönlich nicht vertreten kann) darf man dabei nicht vergessen, dass jeder Konsument andere Vorlieben bei Spielen hat. Die Aufgabe einer Publikation (egal ob in Print oder Online) muss in Erster Linie das Kennen seiner Leser sein. Denn die Leserschaft der Publikation wird mit dem Review direkt angesprochen und soll beraten werden. Schneidet ein Game mit einer guten Wertung ab, ist diese Wertung mit einer Kaufempfehlung gleichzusetzen. Niedrige Wertungen hingegen sollen den Konsumenten davor warnen, sein hart verdientes Geld in ein Game zu investieren, das der Meinung der Publikation nach, dieses nicht wert ist.
Nehmen wir zum Beispiel das Spiel "Sim Animals", das vor kurzem von Electronic Arts für Nintendo Wii erschienen ist. Die sogenannte Fachpresse gibt dem Spiel durchweg bescheidene Wertungen. Von miesen 2.5/10 bis hin zu 69% reicht hier die Bandbreite – berechtigterweise für die Leserschaft der einzelnen Publikationen die sich besser im First Person Shooter Bereich aufgehoben fühlt. Würde bei dem Spiel ein Test veröffentlicht werden, der von einem Vater, der gemeinsam mit seinem Kind das Spiel gespielt hat, verfasst wurde, so wären hier die Zahlen mit Sicherheit um einiges höher.
Fraglich ist also, ob ein Spiele-Tester (ich wähle den Ausdruck absichtlich, denn wie wir später lesen werden ist ein Kritiker bzw. Journalist etwas anderes) genug Kompetenz besitzt, ein Spiel und seinen Markt mit allen Unbekannten korrekt werten kann. Erst kürzlich erschien Killzone 2 für PLAYSTATION 3. Die Wertungen waren durchweg fantastisch und Metacritic wertet den Titel derzeit mit 9.1/10 aus einem Durchschnitt von 71 Reviews. Viele Fachpresse-Publikationen gaben dem Titel eine perfekte Wertung von 10/10 und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass die Wertungen hier berechtigt sind. In Frage stelle ich allerdings, ob ein Review eines solchen Titels, der für Holland das bisher teuerste Projekt im Entertainment Sektor darstellte und sich mehr als 5 Jahre in der Entwicklung befand, auf die selbe Stufe gestellt werden kann, wie ein Game eines Independent Entwickler-Studios das nicht 140 Personen für 5 Jahre mit der Entwicklung eines Games beschäftigen kann.
Dem Konsumenten gegenüber werden also Äpfel mit Birnen (Killzone 2 mit Sim Animals) verglichen und als Brei (Gleiches Wertungssystem) serviert. Und wie sich die prominenten Herren mehrere US-Publikationen bereits in einem Panel zu dem Thema einig waren, wird eine Wertung im Game Review für Kosumenten als Kauf-Hilfe abgegeben.
Im vorhin angemerkten Panel "A Symposium On Game Reviews", das von verschiedenen Veteranen der Games Presse wie Leigh Alexander (Gamasutra), N’Gai Croal (Newsweek), John Davison (What they Play), Shawn Elliot (2K Boston), Jeff Gerstmann (Giant Bomb) etc. geschrieben wurde, ging vergangenen Dezember eine ausführliche Diskussion zum Thema Scores bei Reviews um. Eine detaillierte Nachlese des Symposiums kann auf Shawn Elliot’s Blog konsumiert werden. Abseits der vielen verschiedenen
Meinungen in diesem Symposion wird allerdings in Frage gestellt, ob der Schreiber selbst unbeeinflusst seine Wertung zu einem Spiel abgibt. Während (und dieser Fakt ist für mich sehr interessant) die Teilnehmer, die für größere Mainstream Publikationen arbeiten, die Punkte für sinnlos empfinden, halten Fachpresse-Schreiber Wertungen für Games wichtig und unabdingbar.
Während die einen glauben, jedes Game sollte gleich behandelt werden, meinen andere wieder, dass ein vollwertiges Review auf Dinge wie Budgets und Team-Größen Rücksicht nehmen sollten.
Böse Zungen mögen behaupten, dass Wertungen nur zwei Existenzberechtigungen besitzen:
1. Fanboys in die Foren zu treiben und dort Diskussionen rund um die Wertung (ob gerecht und ungerecht sei dahingestellt) anzuheizen.
2. Publisher zufrieden zu stellen und so auch weiterhin die achso wichtigen Werbe-Einnahmen (bzw. für kleinere Portale Game-Muster) aufrecht zu erhalten.
Zum Ersten sei gesagt, dass die Diskussionen natürlich dazu führen, Zugriffe (wir schweifen hier jetzt auf die Online Welt alleine ab) zu lukrieren, die wiederum wichtig
für die im zweiten Punkt angesprochene Werbe-Kohle sind (bestes Beispiel hierfür ist wohl das 8/10 Review von Eurogamer das mehr als 2.300 Kommentare mit teilweise Todesdrohungen gegenüber dem Reviewer "lukrierte".
Für einen Publisher hingegen ist die Wertung eines Spiels ebenso ein wichtiger Faktor. Weniger in den Verkaufszahlen – denn die werden in den seltensten Fällen von den
Review – Scores ein paar wenigen "Spiele-Testern" beeinflusst – sondern viel mehr im internen "Matching" für Marketing-Bosse und gegenüber anderen Games bzw. für Sticker auf Verpackungen. Der beste Beweis hierfür ist die Causa "Jeff Gerstman vs. Gamespot" denn obwohl offiziell öfters dementiert, wurde der Veteran im Dezember 2007 von Gamespot aufgrund seines Reviews zu "Kane & Lynch" gefeuert – Gerüchten zufolge von Eidos angefordert!
Wie dem auch sei – Reviews mit Wertungen werdet ihr hier bei uns sicher nie zu lesen bekommen. Unsere Meinung zu dem Thema ist, dass Game Reviews als solches keine Lebensberechtigung aufweisen und da die meisten Publikationen mangels journalistischer Kompetenz bzw. Zeit die Reviews meist mit einem nacherzählen der Story aus den Pressemitteilungen beginnen und mit einer Rot/Grünen Bewertungsgrafik beenden können wir getrost sagen, dass die Leser solcher Inhalte genügend andere Ressourcen in Print und Online finden werden.
Abschließend möchte ich euch allerdings auf die meiner Meinunung nach beste Möglichkeit einer Spiele-Besprechung (also nicht Spiele Test) hinweisen – Kotaku hat es nämlich bereits vor einem Jahr kapiert und präsentiert Spiele-Besprechungen auf eine Art und Weise, die es dem Leser bzw. Konsumenten möglich machen, eine eigene Meinung zu bilden und dadurch die Kaufentscheidung selbst durchzuführen – und sind wir nicht alle alt und kompetent genug dazu?





