
Zu den großen Neuerscheinungen des letzten Jahres gehörte zweifelsfrei der 4. Teil der beliebten, ach was, von vielen sogar verehrten, GTA Reihe. Der Hype vor dem Release war groß, fast so groß wie Ernüchterung nach dem Release. Manch einem Spieler gefiel die ernstere Aufmachung der Gangster Simulation doch nicht so gut, wie die teilweise extremst abgedrehten Vorgänger. GTA ist halt erwachsen geworden. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich die Charaktere über Polarbären unterhalten, die nachts, heimlich, still und leise, in das eigene Zelt kacken.
Nichtsdestotrotz erwartete den Spieler ein Spiel, welches es bislang, in dieser Art und Weise, noch nicht gegeben hat. Rockstar gelang es in seinem Mammutprojekt eine wahrhaft lebendige Stadt zu erschaffen, die man regelrecht atmen hören kann.
Leider Gottes konnte einen das Spiel dermaßen in seinen Bann ziehen, dass man selbiges nur allzuschnell beendet hatte. Ich persönlich konnte teilweise einfach nicht mehr von dem Spiel wegkommen, weil es mich einfach zu sehr interessiert hat, wie sich die Story weiter entwickeln würde. Nach knapp 30h flimmerte dann schließlich das letzte Video über den Bildschirm. Und leider krankte auch dieser GTA Teil, an den Problemen seiner Vorgänger. Nach dem Beenden des Hauptplottes verliert das Spiel allerdings zu schnell an Reiz.
Das Spiel geizt eher mit Nebenmissionen, die einen länger bei der Stange halten können.
Glücklicherweise ist es Microsoft gelungen, einen Exklusivdeal mit Rockstar abzuschließen, der die Entwicklung zweier zusätzlicher Episoden umfasste.
Somit ist, zumindest für die Besitzer der XBox 360 Fassung, für Nachschub gesorgt.

Seit dem 17. Februar steht nun die erste der beiden Episoden auf dem XBox Live Marktplatz zum Download bereit, die es euch ermöglicht Liberty City einmal aus einer anderen Perspektive zu erleben. Als waschechter GTA Fan war es für mich natürlich eine Selbstverständlichkeit, dass das neue Futter umgehend auf die Festplatte wandert.
Wandern trifft die Aussage sogar wie den berüchtigten Nagel auf den Kopf. Besitzer einer langsameren Internetleitung dürften etwas warten dürfen, bis die zusätzlichen Missionen endlich komplett auf der eigenen Festplatte liegen. Stolze 1.8 GB umfasst die neue Story.
Doch diese haben es wahrlich in sich. Neben der neuen Story haben es beispielsweise 50 neue Lieder ihren Weg in den DLC gefunden. Tummelten sich im Hauptspiel eher unbekannte Interpreten im Radio, dröhnen einem nun die Härteren Klänge der Motley Crue und Co entgegen. Rockstar spendiert dem Käufer sogar ein paar zusätzliche Grafikeffekte, wie beispielsweise einen Blurfilter. Sollte der Filter nicht gefallen, kann er aber auch einfach wieder abgeschaltet werden. Aber welche essentiellen Eigenschaften des Spiels ändern sich noch?
Generell erstrahlt The Lost and the Damned in einem etwas härteren Licht als das Hauptspiel. Neben der Biker Gang um Jonny Klebitz erscheint der altbekannte Nico Bellic wie ein kleines Schulmädchen. Stand der serbische Hauptdarsteller des Hauptspiels häufig ratlos vor Problemen, machen unliebsame Gestalten bei "The Lost and the Damned" einfach mal Bekanntschaft mit dem Hinterreifen eines Motorrads. Wer nicht hören will muss fühlen.

Aber fangen wir am Anfang an. Das Spiel beginnt damit, dass man mit seiner Bikergang den Chef der Organisation von seinem Drogenentzug abholt. Bereits zu diesem Zeitpunkt bemerkt der Spieler eine wichtige Änderung am Gameplay des Spiels. Die Motorräder, die in dieser Episoden natürlich eine eminent wichtige Rolle einnehmen, lassen sich endlich steuern. War im Hauptspiel eine Fahrt mit dem Motorrad häufig gefährlicher als eine Horde bewaffneter Gegner, lässt sich Jonnys Chopper jetzt wunderbar durch Liberty City´s Straßen zirkeln. Hätte man die alte Fahrphysik der Bikes beibehalten wäre das Spiel aber auch ein absoluter Krampf geworden.
Mit neuem Chopper und neuer Steuerung macht sich der Spieler nun in einem kompletten Konvoi auf den Weg, um seinen alten Bikerchef Billy Grey aus dem Heroinentzug abzuholen. Ein geiles Gefühl eine Gruppe mit 7 Bikes anzuführen. Dieser ist durch den Entzug leicht gereizt, was seinen Umgang mit Freund und Feind etwas beeinträchtigt. Ein Waffenstillstand mit den ehemaligen Erzfeinden, den Angels of Death, ist da nicht mehr viel wert. Als dann auch noch ein Gangmitglied von einem "Russen-oder auch Serbenarschloch" (bei vielen dürfte es jetzt klingeln. Im Hauptspiel müsste man als Nico Bellic ein Mitglied der Gang töten) explodiert das Pulverfass.
Leader Billy glaubt nicht an die Geschichte, dass ein Serbe für den Tod des Mitglieds verantwortlich sei, sondern schiebt es den Angels of Death in die Schuhe. Die Kacke ist nun richtig am Dampfen.
Dies bildet die Ausgangssituation für die Story rund um Intrigen, Verrat und Bikes. Rockstar gelang es hierbei exzellent, die Story von "The Lost and the Damned" mit der des Haupspiels verschmelzen zu lassen. In der Episode werden viele Storyteile des Hauptspiels aufgegriffen und aus einer anderen Perspektive erzählt. Desöfteren läuft man dabei auch altbekannten Gesichtern über den Weg. Playboy X, Elizabetha, oder sogar Nico Bellic himself laufen einem über den Weg.

Auffällig an der Story von "The Lost and the Damned" ist, dass die GTA typische Anlaufphase komplett weggefallen ist. Bereits zu Beginn öffnet Liberty City alle Pforten, der Spieler kann sich ohne Grenzen in der Stadt bewegen. Ebenso fällt das klassische "in der Stadt Fuß fassen" vollkommen weg. Johnny hat bereits zu Spielbeginn beste Kontakte in der Stadt. Ein Anruf und es liegt eine Maschinenpistole mit 1000 Schuss bereit. Dementsprechend gewinnt das Spiel auch direkt zu Beginn enorm an Fahrt. Musste man in den bisherigen GTA Spielen immer erst mehrere Stunden dümmliche Kurierjobs übernehmen, hat man bei The Lost and the Damned bereits nach 3 Missionen ein wahrlich stattliches Waffenarsenal angesammelt. Saftige Feuergefechte sind garantiert.
Diese gibt es auch Online. The Lost and the Damned wartet mit 5 neuen Online Modi auf. In diesem Kämpft der Spieler beispielsweise um die Vorherrschaft seiner Gang, kämpft gegen NPC´s und menschliche Gegenspieler um die Vorherschaft der Stadt, oder liefert sich mit seinem Bike ein Rennen gegen einen Helikopter. Für Abwechslung wird also wahrlich gesorgt.

Potentiellen Käufern wird vor allem der Hohe Preis von 1600Ms-Points sauer aufstoßen. Allerdings bekommt der Spieler hier für sein Geld wahrlich etwas geboten. Neben der neuen Storyline (die in unserem Test nach ca. 7 Stunden beendet war) erwarten den Spieler neue Fahrzeuge, Nebenmissionen und Minispiele, Waffen, Songs, Fernsehsendungen, neue Internetseiten und sogar leichte Rollenspielelemente hinsichtlich der Verbesserung der eigenen Gangmitglieder. Jeder Spieler, dem GTA4 auch nur annähernd gefallen hat, wird mit dieser Episode seinen Spaß haben. In Sachen Storytelling und Präsentation steht The Lost and the Damned dem Hauptspiel in nichts nach und steht dem Vollpreistitel qualitativ in keinerlei Hinsicht nach. Die englische Synchro ist GTA typisch wieder einmal hochklassisch ausgefallen, die Story stimmt, die Grafik auch, was will man mehr?
Sören Bauer-Weazel News ;-)






