Der Aufstieg und Fall von GIGA

In der letzten Woche traf uns überraschenderweise die Meldung über das Aus von GIGA. Der Eigentümer Premiere hat kurzerhand angekündigt, unter dem Sender einen Schlussstrich zu ziehen. So wird ab Ende März 09 der Sendebetrieb eingestellt.

Wir nehmen diesen Umstand zum Anlass und werfen einen Blick zurück auf die Entstehungsgeschichte von GIGA. Auch werden sich einige Redakteure von uns zum TV Sender GIGA äußern.

Vor 11 Jahren begann die erfolgversprechende Geschichte von GIGA. Am 30. November 1998 startet der Sender sein Programm über NBC Europe. Damals gab es nur ein Kernformat das auch als GIGA (green) bekannt war. Im Jahr 2000 wurde dieses Kernformat stückweiße ergänzt. Etwa mit der Rubrik GIGA\\GAMES.

Giga Studio Den 29. September 2005 kann man als Durchbruch in der Geschichte von GIGA bezeichnen. Denn zu diesem Zeitpunkt war GIGA auch als eigener Fernsehsender über Astra Digital zu empfangen, genauso wie über das Kabelnetz. Diesen Umstand hatte GIGA NBC Universal zu verdanken, die die mehrheitlichen Anteile der Produktionsfirma von GIGA – DFA – übernommen hatte. NBC strahlte im analogen Kabel fortan Das Vierte aus, jedoch blieb ein Sendeplatz für GIGA bestehen.

Bis zum 31. März 2006 existierte dieser Sendeplatz auf Das Vierte. Danach gingen die Zuschauerzahlen zurück, was nicht nur auf den Verlust des Sendeplatzes, sondern auch auf den neuen Fokus des Senders zurückzuführen war. So konzentrierte sich GIGA hauptsächlich auf Games.

Im Juni 2006 startete dann GIGA 2. Dessen Schwerpunkt war die e-Sports-Szene. Im November 2007 war GIGA 2 jedoch wieder Geschichte. Der Bereich e-Sports wurde jedoch im Hauptsender integriert. Mit der Zeit schuf GIGA auch weitere Formate, die den Fokus nicht mehr nur auf Games lenkten.

GIGA hat sich von Beginn an weiterentwickelt. Auch im Jahr 2008 machte man keine Ausnahme. Es wurden nicht nur die mitunter zweistündigen Sendungen verkürzt bzw. durch kürzere Themenblöcke ersetzt, im Jahr 2008 begann auch die schicksalshafte Übernahme durch Premiere, die schlussendich zum Ende von GIGA führen sollte.

An keinem besseren Tag als Freitag, dem 13. Februar 2008 gab Stephan Borg, Geschäftsführer von GIGA das überraschende Ende von GIGA bekannt. Auch Borg selbst war vom plötzlichen Ende überrascht. Am Vortag wurden noch neue Sendungen produziert und plötzlich – von einem auf den nächsten Tag– wurde die Produktion gestoppt und alle Mitarbeiter von GIGA gekündigt.

Als Hauptgrund wurde von Premiere, wie schon zu erwarten, die Finanzkrise angegeben. In Folge derer sich die Werbekunden mit Einschaltungen zurückhielten und in Folge dessen die Werbeeinnahmen drastisch gesunken sind.
Zumindest soll das Online-Angebot von GIGA bis Mai 2009 bestehen bleiben. Was danach geschieht ist ungewiss. Giga Studio 2

Mittlerweile gibt es von der GIGA-Community auch eine Petition zur „GIGA-Rettung“. So wurde versucht, die ARD mit ins Boot zu holen, um so doch noch für den Fortbestand von Giga Sorge zu tragen. Jedoch lehnte dies die ARD vorerst ab.
Ein weiterer Vorschlag der Community ist es, GIGA im TV-Sender Kika unterzubringen. Kika sendet nur bis 21 Uhr, danach könnte die freie Sendezeit für GIGA genutzt werden, so die Idee der Community. Weitere Details dazu sind noch nicht bekannt.

Daniels Meinung:
Für mich ist dieser Schritt unverständlich. So konnte GIGA mit einer stetig wachsenden Zuschauerzahl überzeugen. Auch der Grundgedanke von GIGA ist mehr als Lobenswert. So versuchte der Sender stehts die (bzw. seine) Community mit einzubeziehen. Nicht nur über das Online-Angebot “Giga.de”, sondern auch in der Sendung selbst. Persönlich finde ich den “Untergang” von Giga sehr schade.

Clemens’ Meinung:
Für mich war GIGA ein Wunder in der TV-Landschaft. Denn es war fast unglaublich, dass ein solches Format auch für längeren Zeit bestehen konnte. Zwar sind wir Zocker nicht mehr unbedingt als Randgruppe zu bezeichnen, aber ein 24 Stunden Vollzeitprogramm, welches sich ausschließlich den Games widmete, war dann doch auch für Hartgesottene was Neues. Ich selbst konnte mich nicht zu den Stammsehern zählen, doch auch ich bin beim Zappen hin und wieder hängen geblieben, oder habe GIGA über den Stream verfolgt.

Das, was mich nicht so recht überzeugen konnte, war das in letzten Jahren fast nur noch auf Casual Gamer zugeschnittene Programm. Klar, man muss die Masse ansprechen – aber anstatt hier Hardcore Games als Stammseher zu binden, schauten nur Gelegenheitszocker für die eine oder andere Sendung rein. Auch war mir das Programm zu wenig technisch.

Schade ist es jedoch auf jeden Fall. GIGA war ein Phänomen: zuerst zum Scheitern verurteilt, dann doch ganz gut im Rennen und nun dem Sparstift eines in allen Belangen fehlgeleiteten Konzerns zum Opfer gefallen.


Wolfgangs Meinung:

GIGA Games  legte die Messlatte für TV-Videospielmagazine äußerst hoch und lässt Derzeitige ziemlich alt aussehen. Mich ärgert es, dass das große Potenzial dieses Senders zerstört wurde. Gerade in unserer Zeit, in der Videospiele groß auf der Bildschirmfläche sind, sollte doch eine solche Sendung bzw. ein solcher Sender Pflichtprogramm sein. Ich war von GIGA Games immer begeistert, obwohl man meine persönliche Einschaltquote auf einer Hand abzählen könnte.

Metatrons Meinung
Ich bin über GIGA gestolpert, als NBC Europe noch die Conan o´Brian Late Night Show gesendet hat. Das "Green" Format fand ich immer schon strunzenlangweilig. Vielleicht weil ich mit dem ganzen Lifestyle Gerümpel nicht viel anfangen konnte. GIGA Games hingegen war in den Anfangstagen herrlich chaotisch, ungezwungen und authentisch. Was sich leider später immer mehr zur kommerzialisierten Pseudo Anarchie entwickelte. Auch wenn es sich hart anhört, aber der Verlust von GIGA ist mir völlig egal. Es wird der Medienlandschaft nichts fehlen und die Produzenten werden um eine Erfahrung reicher sein. Wenn das nicht eine Perspektive für die Zukunft ist.

Kommentare

10 Kommentare zu “Der Aufstieg und Fall von GIGA

  1. puejue am 20. Februar 2009

    Ich stimme mit der Meinung von Clemens überein: Besonders gefällt mir am Schluss: Zitat: "dem Sparstift eines in allen Belangen fehlgeleiteten Konzerns zum Opfer gefallen" Besser kann mans nicht auf den Punkt bringen... ich hoffe, das das Konzept von Premiere und die Philosophie die dieser Konzern verfolgt so richtig schön auf die Schnauze fallen. Ich denke in Zeiten der Wirtschaftskrise ... wo jeder Kunde jeden Cent 2x umdreht wirds Premiere ohnehin über kurz oder lang drankriegen... *believe* R.I.P. Giga... war ne schöne Zeit mit Euch...

  2. Harald Bock am 20. Februar 2009

    Wer zahlt im Ernst heute noch für TV das weder aktuell noch gut ist?

  3. Stephan am 22. Februar 2009

    Liebe Freunde, die meisten Kommentare zu diesem Thema passen wirklich zum Abstieg den GIGA seit Jahren mitmacht... Premiere hat Monate lang viel, sehr sehr viel Geld für euer Programm ausgegeben und scheinbar keinen finanziellen Nutzen davon getragen! Wie wäre es wenn ihr euch dafür mal bedankt?! Wisst ihr eigentlich was so etwas jeden Tag kostet? Schaut euch mal die Bilanzen von GIGA an, da werden teilweise Millionenbeträge abgeschrieben!! Beschäftigt euch lieber mal mit sowas, dann könnt ihr viel Geld verdienen und selber einen TV-Sender gründen anstatt rum zu jammern. Premiere ist nicht dazu da euere Hobbys zu finanzieren wenn das Einkommen davon nicht stimmt. Viele Grüße Stephan

  4. Wolfgang am 22. Februar 2009

    Es geht hier ja nicht darum Premiere ins schlechte Licht zu rücken. Das hier ist nur ein kleiner Rückblick und unser Abschied zu GIGA.

  5. Clemens am 23. Februar 2009

    wie schön dass sich auch ein premiere troll hier her verirrt. aber lieber stephan. premiere befindet sich eh am absteigenden ast. da darf man ja gern das miese bezahlprogramm kritisieren. ganz zu schweigen von gängelei und abo abzocke. ja premiere ist fast das für die fernsehwelt was Gravenreuth für Internet ist. und wie man es nur falsch machen kann werden programme und sendungen die zwar leute anziehen abgestellt. der ORF geht ja nun mehr den gleichen weg. bis sich die ganzen sender zu tode gespart haben. mich freuts - dann ist der verblödende "unterschichten dreck" wenigstens weg

  6. Klaus am 23. Februar 2009

    Ich stimme auch mit der Meinung von Clemens überein: Besonders gefällt mir auch am Schluss: Zitat: “dem SpartStift eines in allen Belangen fehlgeleiteten Konzerns zum Opfer gefallen” Ich habe jedenfalls mein Premiere ABO daraufhin gekündigt.Vielleicht gibt es ja dich noch eine Rettung für GIGA TV,und dann auch noch die Kündigung am Freitag den 13 ten ohne Vorwarnung grenzt schon ziemlich an ein tief schwarzen Humor. Übrinsten findet zu diesem thema am 28.02.09 eine Demo in Köln um 14:00 statt. Treffenpunkt ist Hbf. Köln um 13:00 dann geht es zu den GIGA Studios. Ich persönlich würde aber eine Demo vor den Premiere Studios Vorziehen. Denn was soll eine Demo vor den GIGA studios die sind eh schon geschlossen denn das was im Giga TV noch läuft ist nur noch eine endlosschleife Naja sollte das alles nichts helfen Wunsche ich GIGA für die zukunft alles gute. Tschüs GIGA Klaus.w PS. GIGA hat wirklich Spaß gemacht und war sehr unterhaltsam & informatif.

  7. andi am 23. Februar 2009

    sagt mal geht bei euch eigentlich noch? ohne premiere die giga bezahlt haben wär der sender schon vor langem pleite gegangen. wer miese qualität liefert darf sich über ausbleibende zuschauer (180000 über den gazen tag verteilt laut forsa) und damit über ausbleibenden werbeeinnahmen nicht wundern. und clemens bezüglich "unterschichten dreck" ich würd jetzt mal gerne hören was du für sender anschaust. klaus das premiere abo zu kündigen um damit vllt giga zu retten die indirekt vom abo leben? ganz grosses kino.

  8. Anna am 23. Februar 2009

    ICh persönlich finde es sehr schade, dass Giga abgesetzt wird. Ich hielt es immer für ein sehr fortschrittliches Programm, da es die Zuschauer durch eine Online-Community ins Programm mit einbezieht. Auch sind die Quoten ja immer mehr gestiegen und mit ein wenig Werbung für den Sender hätten wahrscheinlich noch mehr Leute Giga geguckt. Was ich am meisten bedauere, ist, dass man nun nicht mehr so authentische Moderatoren erleben darf. Auch wenn sie Engagements in anderen Sendern bekommen, können sie trotzdem nicht so locker moderieren wie sie es bei Giga konnten. Ich hoffe einfach, dass sich doch noch eine Möglichkeit findet, Giga weiter auszustrahlen und dass erkannt wird, dass das Interesse an Videospielen immer weiter zunimmt und ein solcher Sender in der Zukunft unvermeidbar ist.

  9. mike am 25. Februar 2009

    ich bin genau metatrons meinung! allerdings hab ich früher gerne mal das richtige Games TV gesehen. das wurde ja leider auch abgesetzt. die idee, den kika-sendeplatz für z.b. games zu nutzen, finde ich sehr gut! soll doch das öffentliche von den hohen gez-gebühren auch mal was für uns zocker senden!!!

  10. Meinereiner am 7. März 2009

    Erklärungen an meine Kinder 2020: Giga ist ein Fernsehsender. Fernsehsender sind Playlists für deinen Content Provider. Warum ihr Tot irgendwem auffiel hab ich nie begriffen. (nichtmal bei Arte das war auch so ein Fernsehsender, den du heute bekommst, wenn bei deinem Content Provider unter 'finde ähnliches Material wie' : "Gründgens Inszenierung" & "Film Noir" eintippst )

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