Der Handel spürt nichts von der Finanzkrise – Entlassungen nur Humbug?

hmv-logo-header

Es will mir einfach nicht verständlicher werden in meinem, von dieser Woche so verrauchten Kopf. Zuerst hört man aus aller Welt und mittlerweile beinahe jeden Tag, dass ein Studio geschlossen wird und es jedem Publisher / Entwicklerstudio etc. schlecht geht.

“Die Finanzkrise sei das große Problem und daher müsse man mit drastischen Sparmaßnahmen kontern um auch weiterhin wettbewerbs- bzw. überlebensfähig zu bleiben” pfeifen die Spatzen von den Dächern.

Und dann wiederum hören wir von überall, dass der Absatz der Games weltweit noch nie so stark war, wir in diesem Weihnachtsgeschäft. So hat HMV heute bekanntgegeben, dass allein im Dezember 2008 ein Umsatzplus von 20% an Video Games erreicht wurde.

Jonathan Hayes, Commercial Manager – Videogame Abteilung HMV sprach exklusiv mit gamesindustry.biz:

Der Anstieg der Verkäufe bei Videogames war im Dezember sehr stark und hat so geholfen, einen langfristigen Trend aufzuzeigen. Mit einem Anstieg von 20% haben Games alle anderen Entertainment Formate wie DVD und CD weit hinter sich gelassen, was Absatzsteigerungen betrifft.

Zu den Top Schlagern zählten Titel wie Guitar Hero: World Tour, Call of Duty: World at War, FIFA 09, Wii Fit und Mario Kart Wii und auch die Hardwareverkäufe haben sehr stark zulegen können. Nicht nur Nintendo geht dieses Weihnachtsgeschäft als Gewinner aus dem Rennen hervor sondern auch Microsoft hat mit Werbung und Preis stark zulegen können während Sony mit der PlayStation 3 ein sehr gutes generelles Entertainment Angebot für den Konsumenten hatte.

Hayes spricht weiter davon, dass eine Absatzsteigerung gerade dann deutlich merkbar war, als Titel wie Far Cry 2, Fallout 3, Mirror’s Edge und Pro Evolution Soccer 2008 als Aktion kurz vor Weihnachten angeboten wurden. Eigentlich kein Wunder denn jeder will doch seine Arme gegen den Himmel strecken und das maximale Entertainment aus seinem Euro (in dem Falle der Pfund) holen.

Was nun für mich unverständlich ist, ist die Tatsache, dass sowohl die “Installed Base” für alle Konsolenhersteller wächst, als auch die verkauften Stückzahlen bei Games immer mehr werden. Trotzdem behaupten Publisher, die Zeit sei schlecht, man müsse sparen und Prozesse und Ressourcen optimieren.

Der Hund liegt meiner Meinung darin begraben, dass die gesamte Industrie schon seit viel zu langer Zeit auf großem Fuße lebt. Eine Finanzkrise, die gerade mal vor 2 Monaten zugeschlagen hat, kann nie im Leben eine so rapide Auswirkung auf weltweite Konzerne haben. Vielmehr tut sich in mir die Vermutung auf, dass die in aller Munde befindliche Finanzkrise die optimale Entschuldigung ist, Ballast abzuwerfen ohne gleich als unmenschlich abgestempelt zu werden. Und Unternehmen, die sich gegenüber der Öffentlichkeit fast schon als Samariter verkaufen wollen, nutzen diese Gelegenheit schamlos aus und befördern ihre treuen Mitarbeiter mit einem kräftigen Tritt in den Hintern bei der Tür hinaus.

Nehmt euch doch mal 80 Minuten Zeit, und hört euch die Microsoft Keynote zur CES 2009 an. Versteht mich nicht falsch – die Ansprache von CEO Steve Ballmer ist beeindruckend und visionär und er streicht mehr als einmal hervor, wie sozial Microsoft ist. Investiert allein in 2008 rund 8 Milliarden Dollar in R&D, Bill Gates verwendet seine Zeit nur noch um armen afrikanischen Kindern zu helfen etc…

Beinahe zeitgleich zur CES kommt dann das Gerücht des Wallstreet Journals auf, dass 15.000 Stellen bei Microsoft wackeln und der gute Steve meint beschwichtigend “Entlassungen seien nicht unsere Unternehmensstruktur“. Man(n und Frau) atmen erleichtert auf und vertrauen Microsoft wieder.

Und dann wo der Fokus der Presse wieder ein wenig nachlässt (CES vorbei etc.) kommt eine Woche später der Hammer – Microsoft streicht 5.000 Stellen! Mit der Meldung gibt Microsoft bekannt, dadurch 1.5 Milliarden Dollar zu sparen.

Die Meldung, dass Absatzzahlen von Games nach oben steigen zeigt für mich persönlich eines auf: Die Leute verlassen ihre Wohnungen weniger und suchen Entertainment zuhause. Games sind günstig – 20-30 Stunden (oder mehr bei Casual Spielern) Entertainment für schlappe 60-70 Euro. Da möge jemand mal die Zeit in einem Restaurant oder einer Bar sitzen. In 20-30 Stunden konsumiert JEDER (behaupte ich jetzt einfach mal so) mehr als 60 – 70 Euro.

Nicht nur in der Gamesbranche – überall – haben die Firmen versagt und sind so auch mit der Grund, dass wir uns überhaupt in einer Finanzkrise befinden. Und so sollte man am Ende des Tages als Konsument nicht traurig sein über die Meldungen, dass Studios geschlossen werden (natürlich ist es für die jeweiligen Mitarbeiter mehr als bes***n) sondern stolz sein, dass man selbst dazu beigetragen hat, die Wirtschaft anzukurbeln (wo wir wieder beim 20%igen Anstieg-Thema wären) und sich wundern, wie es überhaupt möglich sein kann, dass solch große Unternehmen wie Microsoft, Electronic Arts, Sony etc. sich selbst nach unten wirtschaften können.

Hätten sie es bloß so gemacht!

Harald Bock

Harald spielt seit seiner ersten Konsole (Pong Telesystem 1979) grundsätzlich nur auf Konsolen. Er ist leidenschaftlicher Sammler (52 Systeme) und würde gerne mehr Platz in der Wohnung haben um seine Sammlung auch genießen zu können!
Kommentare

Ein Kommentar zu “Der Handel spürt nichts von der Finanzkrise – Entlassungen nur Humbug?

  1. geodomulus am 25. Januar 2009

    Die gesamte Finanzkrise kann den Unternehmen nur zugute kommen denn endlich kann sich jede firma die heiß ersehnten Sparmassnahmen wie entlassungen etc. antun ohne von den medien zerissen zu werden.. Was wird aus den ganzen Arbeitslosen?

Lass hören was deine Meinung ist!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Verwende Gravatar für deinen Avatar!

*