wipEout HD – die Kunst des Antigrav-Racings

http://eLhabib.at/files/2008/10/8_1-wohd_20080917_174434.jpg

Wer ab und an bei eLhabib.at reinschaut, hat vielleicht schon mitbekommen, dass ein kleines, feines Spiel namens wipEout HD lange Zeit ganz weit oben auf unserer ‚Most Wanted’ Liste stand. Seit anderthalb Wochen ist das Spiel zum Dauerbrenner auf meiner PS3 geworden, und da ich meine Begeisterung für Spiele gerne mit anderen Teile, hab ich mir flugs Peter Zirbs vom M-Magazin – ebenfalls wipEout-Pilot der ersten Stunde (die war übrigens 1995) – eingeladen, um mich mit ihm gemeinsam dem Rausch der Geschwindigkeit hinzugeben.

Petz:

Alte Liebe rostet nicht // Da war also wieder ein gemeinsames Austesten eines neuen Titels angesagt – und es war nicht irgendein Titel, sondern wipEout HD, das nun seit über einem Jahr angekündigt, wieder verschoben und nun endlich veröffentlicht wurde. wipEout auf der PlayStation 1 war für mich der Grund des Erwerbs einer solchen, und seit damals – immerhin 13 Jahre her – müssen sich Rennspiele in meiner Bewertung mit wipEout messen. Denn was Skills, Konzentration, Steuerung und Physik anbelangt, legt wipEout die Latte immer noch sehr hoch – und nun sogar in fantastischer Optik mit (beinahe) völlig ruckelfreiem Hi-Speed-Wahnsinn. Wie gerade erwähnt – wipEout war für mich der Grund, mir eine PlayStation 1 anszuschaffen, und jetzt sitzt einer der weltbesten Antigrav-Racer neben mir und ist ähnlich enthusiasmiert wie ich. Wie war das bei Dir damals, Martin?

Martin:

Auch mich hat damals, im guten alten 95, wipEout zum Kauf einer Playstation verleitet. Mit gerade einmal 12 Jahren war ich eingeschworener SEGA-Fan und wünschte ich mir selbstverständlich einen Saturn zum 13. Geburtstag. Das war für mich schon seit der ersten Ankündigung des Saturns und den damit verbundenen grandiosen Screenshots von ‚Daytona USA’ sonnenklar. Die damals noch unbekannte Playstation interessierte mich nicht im Geringsten. Dann steh ich also am 11. Dezember 1995, einen Tag vor meinem 13. Geburtstag, mit meinem Papa im Geschäft, um den Geburtstags-Saturn zu kaufen, und was entdecke ich dort? Eine Playstation-Anspielstation mit wipEout. Drei Minuten mit dem Spiel waren genug, um meine langjährige Loyalität zu SEGA über Bord zu werfen. Am nächsten Tag durfte ich nach dem Kerzenausblasen eine Playstation mit wipEout auspacken. Seither ist zwar viel Zeit vergangen, aber an der Liebe für die nach wie vor grandiose wipEout-Reihe hat sich nichts geändert.

Petz:

Alles funkelnagelneu – oder? // Die Strecken von wipEout HD rekrutieren sich aus den beiden PSP-Teilen ‚Pure’ und ‚Pulse’ und sind nicht nur abwechslungsreich, sondern haben sowohl von der Streckenführung als auch von der grafischen Umsetzung her einen starken eigenen Charakter. Die wohl größte Auffälligkeit ist aber eindeutig die Optik: durchgängige 60Hz bei 1080p Full HD im Singleplayer-Modus – ein derartig g’schmeidiges Hochgeschwindigkeitsrennen in einer solchen technischen Umsetzung gab’s meines Wissen noch nie in der Geschichte des Videospiels. Oder irre ich mich da, Martin?

Martin:

Keineswegs – technisch ist wipEout HD, wie auch schon damals, ein Vorzeigetitel, der die Muskeln der PS3 ordentlich spielen lässt. Zwar sind sämtliche Strecken im Spiel schon aus den beiden PSP-Titeln bekannt, wer aber glaubt, hier wurden lediglich ein paar Texturen aufpoliert, der irrt gewaltig. Obwohl ich die beiden PSP-wipEouts ausgiebig gespielt habe, habe ich manche der HD-Strecken kaum wiedererkannt. Abgesehen von absolut phänomenalen, detailverliebten Streckendesigns gibt es jetzt auch einiges mehr abseits der Strecke zu bestaunen. Der Himmel wurlt nur so von futuristischem Verkehr, die Zuschauer jubeln auf den Tribünen, und vor Allem die unglaublich echt wirkenden Licht- und Schatteneffekte machen wipEout HD fast schon fotorealistisch. Der hingegen absolut surreale Zone-Modus glänzt dafür mit minimalistisch-cleanem Grafikdesign und psychodelischer Drogenoptik – unbedingt im Dunkeln spielen!

http://eLhabib.at/files/2008/10/17_1-wohd_20080917_180844.jpg

Petz:

Feels like home // Obwohl ich seit Jahren nicht mehr anständig wipEout gezockt habe, fällt mir der Einstieg eigentlich sehr leicht: Die Steuerung ist so ziemlich gleich geblieben, und die zwei „neuen“ Manöver – die es bereits in den PSP-Umsetzungen gab – sind ebenfalls rasch zu erlernen: Um in letzter Sekunde rasch auszuweichen, klickt man zweimal auf die entsprechende Bremsklappen-Taste, um einen schnellen Sideshift durchzuführen. Recht spektakulär ist auch die Rolle um die eigene Achse – ebenfalls bereits aus den PSP-Umsetzungen bekannt – die mittels rascher links-rechts-links-Kombination (funktioniert auch umgekehrt) des linken Analogsticks ausgeführt wird. Diese Rolle macht man während eines Sprunges, und nach dem Aufsetzen des Antigrav-Gleiters wird man mit einem Speedboost belohnt – wenn auch auf Kosten des Schildes. Ich konnte bei der Steuerung keine gravierenden Unterschiede zu den „alten“ Teilen erkennen – ich glaube aber, von der Fahrphysik hat sich trotzdem etwas geändert. Aber da kann uns Martin sicher noch Näheres dazu erläutern…

Martin:

Eines ist klar: wipEout war schon immer etwas anders als die anderen. Die Schiffe gleiten eben – und das spürt man auch. Was für viele (Banausen) als ‚schwammige’ Steuerung belächelt wird, ist in Wahrheit messerscharf und präzise, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, dass man nun mal auf einem Luftpolster – und nicht auf Rädern – fährt. Das Gefühl der Losgelöstheit kommt auch in wipEout HD wieder rüber, nur wahre Hardcore-Veteranen merken die Unterschiede zur Fahrphysik der alten PS1-Teile. Damals lag dem Spiel aber auch noch keine richtige Physik-Engine zu Grunde. Aber genug Firlefanz gelabert – Tatsache ist, es fühlt sich absolut cool an, bei über 500 km/h elegant durch eine Kurvenkombination zu gleiten. Für blutige Anfänger gibt es diesmal sogar eine Fahrhilfe, um die Eingewöhnung an die zugegebenermaßen recht ungewöhnliche Steuerung zu erleichtern. Außerdem gibt es, dank Sixaxis, die Möglichkeit, die Gleiter auch komplett über Bewegungen des Controllers zu steuern. Das würde ich zwar niemandem für die höheren Geschwindigkeitsklassen empfehlen, aber ein außergewöhnliches (und überraschend gut umgesetztes) Fahrgefühl ist es dennoch.

Petz:

Trotzdem alles neu // Neue Optik, (fast) neue Schiffe und Strecken, und ein Waffen-Best-of aus allen Teilen – mich hat das altbekannte wipEout-Fieber sofort gepackt, und es lässt mich auch nicht mehr los: Jetzt werde ich mir sogar extra wegen diesem Spiel einen neuen Fernseher anschaffen. wipEout HD demonstriert meines Erachtens eindrucksvoll, wozu die PS3 und ein technisch anspruchsvolles Racingkonzept fähig sind – und ich glaube auch nicht, dass es auch nur annähernd ein Spiel gibt, in dem Geschwindigkeit, Action und Reaktion derart genial erfühl- und erlebbar sind. Sowohl für wipEout-Einsteiger als auch Profis ist das jedenfalls ein Pflichttitel, und ein Blick auf die Preispolitik offenbart: Hätten sie’s dreimal teurer gemacht, würde ich es immer noch kaufen.

Martin:

Das ist ja das Geniale – als ob die hohe Qualität noch nicht genug wäre, kriegt man das ganze auch noch zu einem Spottpreis! wipEout HD ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, was heutzutage schon alles mit digitaler Distribution möglich ist. Man mag es kaum für möglich halten, aber dieses Spiel, das auch locker als Vollpreistitel auf BluRay Disk durchgehen könnte, ist gerademal 1GB groß und wird für 17,99€ am PSN geradezu verschenkt! Wir reden hier ja keineswegs von einem moderaten Arcade-Titel mit 3 Stunden Durchspielzeit. Die Kampagne von wipEout HD alleine verschlingt schon Tage (sogar für Profis), hinzu kommt ein Arcade-Modus, wo man Rennen seiner Wahl zusammenstellen kann, ein ausgefleischter Fotomodus mit zahlreichen Optionen, um das perfekte wipEout-Bild zu schießen, Splitscreen-Multiplayer (horizontal oder vertikal geteilt – je nach Geschmack), umfangreiche Online-Ranglisten, und nicht zuletzt ein gnadenlos flüssig laufender Online-Modus, bei dem sich sogar Turniere mit bis zu 12 Rennen zusammenstellen lassen. Für wipEout-Fans wie mich wird da ein Traum wahr.

http://eLhabib.at/files/2008/10/13_1-wohd_20080919_113131.jpg

Petz:

Über’s Ziel geschossen // Abschließend möchte ich die geneigten Leser noch mit einem persönlichen Resümee quälen: wipEout ist für mich kein Spiel, sondern eine Lebenseinstellung, eine Aufgabe und eine enorme Bereicherung. Klar plagt man sich am Anfang, klar nervt die hervorragende KI der Gegner, die kein Problem damit haben, jemanden knapp vorm Ziel anzuballern und auf den letzten Metern zu überholen. Aber wer einmal von den süßen Früchten „Erfolgserlebnisse“ genascht hat, wer eine Kurvenkombi im maximalen Tempo genommen hat, um anschließend in ein 90°-Gefälle zu gleiten, wo bereits zwei Gleiter ein gutes Ziel für die Dreier-Rakete abgeben – das lässt sich in Worte nicht fassen. Und das ist eine Qualität von wipEout, eine Qualität, die ich solcherart noch bei keinem Game erleben konnte. Ja, ich geb’s zu, ich bin halt ein Fan. Und werde es bleiben.

Martin:

Ach ja, hab ich’s schon erwähnt? An diversen downloadbaren Inhalten wird auch schon gefeilt!

Kommentare

18 Kommentare zu “wipEout HD – die Kunst des Antigrav-Racings

  1. Kopfschüttler am 12. Oktober 2008

    Absolut... Wipeout ist für mich ein Grund, mir eine PS3 zu kaufen. Ansonsten stehe ich nicht so auf Konsolen, aber für dieses Spiel... Ich kenne es noch von der damaligen XBOX, da war ich schon begeistert.

  2. eL am 12. Oktober 2008

    mhm, sehr witzig

  3. user113 am 13. Oktober 2008

    xbox?

Lass hören was deine Meinung ist!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Verwende Gravatar für deinen Avatar!

*