Alone in the Dark 5, von mir sehnlich erwartet und auch blind bestellt. Und wie man hier sehen kann, habe ich mich ausführlich darauf vorbereitet. Alone in the Dark ist, um es mal krass auszudrücken, der größte Fehlkauf des Jahres 2008. Eden Games hat es tatsächlich geschafft – nach der kurzen Entwicklungszeit von vier Jahren – ein Game auf den Markt zu schaufeln, was unfertiger nicht sein kann. Warum? lest weiter
Grafisch ist Alone in the Dark 5 genial und auch das zeitweise heftige Tearing können das nicht ändern. Doch was die Leute sich bei Eden Games mit der Steuerung gedacht haben, weiß nur der Teufel. Denn wer denkt, das Assasins Creed eine überladene Steuerung hatte, der wird sich über Alone in the Dark 5 freuen. Ganze VIER Seiten der Anleitung – Wiederholung VIER – sind mit der Belegung der einzelnen Joypad Buttons gefüllt und das Ganze auch noch alles andere als intuitiv. Beispiel gefällig? Gut….ich will also meine Waffe abfeuern. Waffe auswählen – Inventar öffnen und Pistole auswählen. In der Zwischenzeit bewegt sich der Feind weiter auf mich zu – realistisch. Dann in den Zielmodus gehen – rechter Trigger. Dann zielen, wobei der Arm des Protagonisten stocksteif gerade bleibt und man sich lächerlich behäbig bewegt. Das Hilfszielsystem visiert dann auch mal gerne Dinge an, die man gar nicht anvisieren möchte. Und zu guterletzt ist das Feuern dann auch auf den rechten Trigger gelegt. *BANG* Gegner noch am Leben, denn in den meisten Fällen könnt ihr vergessen einen Gegner mit einem “normalen” Schuss zu killen. Also flott was brennbares auf die Patronen geschüttet und schon hat man acht Brandgeschosse. Sind die alle, muss man erneut brennbares Zeug über die Kugeln kippen. Warum nicht alle Geschosse auf einmal brennbar gemacht werden können ist mir schleierhaft.
Das Inventar ist auch so eine Sache. Mir ist es nicht geglückt, mit dem Analogstick schnell und vernünftig etwas auszuwählen: frustriert bin ich also zur Nutzung des Digitalpads übergegangen. Die Favoritenfunktion ist sehr nützlich – also Objektkombinationen, die man oft und gerne braucht – schnell und einfach abrufbar zu machen. Die Intelligenz bzw. Nutzbarkeit dieser Funktion lässt jedoch auch große Wünsche übrig. So habe ich z.B. die Pistole und den Molotov Cocktail auf eine Favoritenfunktion gelegt. Zeitweise war es dann so, dass wenn ich kein Molli mehr hatte, ich auch die Pistole durch den Favoriten nicht in die Hand bekam.
Das Aufsammeln von herumliegenden Items ist ebenso merkwürdig. Sitze ich z.B. in einem Auto und will an das Handschuhfach – mit vollem Inventar – dann muss ich zuerst Platz in meinem Inventar schaffen. Klarerweise lasse ich dann ein paar unwichtige Teile fallen und starre mit wollüstigem Gefühl auf das coole Messer im Handschuhfach. Leider macht es das System einem unmöglich nun genau das aufzusammeln, was ich eigentlich möchte. Egal wie sehr ich die Sticks drehe oder das Digipad anflehe, die Auswahl des Messers wird mir verwehrt. Erst musste ich, das von mir fallengelassene Zeug, erneut aufsammeln, auf einen anderen Sitz rutschen, dort die unnötigen Items fallen lassen, zurückrutschen, Handschuhfach erneut öffnen und feststellen, dass ich das verdammte Klebeband zuerst an mich nehmen muss, bevor ich an das Messer komme. Das bedeutet aber wieder, dass ich auf den anderen Sitz muss um noch mehr Platz in meinem Inventar zu machen. Dann wieder nach vorne rücken, das Handschuhfach aufreißen und das verdammte Messer an mich nehmen. In der Zwischenzeit eierten drei Gegner – Überzombies – um mich herum und rissen mich alle Nase lang aus dem Auto. Also Schwupp Loch in den Tank gehackt und versucht die so anzulocken, dass ich das Auto als Bombe missbrauchen konnte. Doch die KI der Gegner war so weit fortgeschritten, dass die bis zu einer Grenze kamen mich angrunzten und kehrt machten. WTF?!? Ich stand zwei Meter von den Dingern weg und die drehten sich um? Alles klar, scheinbar hat man die mit Stromhalsbändern ausgerüstet.
Doch ich wäre keine coole Sau, wenn ich es nicht mit zwei popeligen Gegnern aufnehmen könnte. Also die Kanone ausgepackt, Brandmuni und Molli ausgerüstet und versucht die beiden in einen Scheiterhaufen zu verwandeln. Tja, das war ein Fehler. Aufschalten funktioniert nur bei Nahkampfwaffen. Feuerwaffen lassen ein Anvisieren nur in der lahmen Egoperspektive zu und das limitiert dann sehr stark die Bewegungsfreiheit und die Übersicht geht gänzlich flöten. So konzentriert man sich auf einen dieser dauerhüpfenden Gesellen, die einen gerne mal mit Blut vollkotzen – so das man seine Augen “blinzeln” muss um wieder etwas zu sehen. Jeder Mensch mach so etwas aus Reflex, doch der Protagonist des Games nicht. Fast so hart wie Chuck Norris rennt er scheinbar durch das Game und nur wenn er was ins Auge bekommt denkt er sich, “wie zur Hölle funktionierte das mit dem Blinzeln noch mal”! *Hä* Die Frage stellt sich für mich, was Eden Games dabei durch den Kopf ging, denn mal abgesehen von der durchaus bescheidenen Ego-Perspektive, die leider für Kämpfe notwendig ist, muss man bei Alone in the Dark 5 auch noch auf Dinge achten, die ein Mensch automatisch macht. Was kommt als nächstes? Etwa ein kleines Quicktime Event, damit man seine Schließmuskel geschlossen hält um nicht der ganzen Welt seine Flatulenz zu demonstrieren?
BUGS, BUGS…….kommt ihr Hunde oder wollt ihr ewig leben?
Tja, was Eden Games da an Bugs auf die Game losgelassen hat ist schon eine Frechheit. Zwischensequenzen die nicht abgebrochen werden können und Events die nahezu unspielbar sind. Eine Autofahrt zum Beispiel. Ich sollte mit einem Auto von A nach B und dachte mir geil, Autofahren. Natürlich habe ich keine Forza-Physik erwartet und habe diese auch nicht bekommen. Also mit Schmakes losgebrettert und jede Kurve korrekt genommen. Leider fahren jedoch die anderen Fahrzeuge wie auf Schienen und kommt man denen, versehentlich oder nicht, in die Quere wird man gnadenlos weggebrettert bzw. falls es jemanden passieren sollte, an einer 10 cm Kante hängen zu bleiben, setzen Clipping Fehler ein und man stürzt in einen Abgrund. Jedes mal wenn das passiert, dann wird wieder von vorne gestartet und das was bei den ersten malen cool war ist nur noch lahm und frustrierend. Ich habe 17 Anläufe gebraucht um das zu schaffen und nicht weil ich blöd bin, sondern weil es unsauber designed und programmiert war. Auch ein cooler Bug war der schnelle Wechsel von Favoriten wärend einer gescripteten Sequenz, wo man sich dennoch frei bewegen konnte. Denn da hatte ich die Taschenlampe und die Pistole gewählt, und plötzlich hatte der Protagonist nicht in der Hand, hielt diese aber, als ob ich eine Tschenlampe benutzen würde – kewl. Damit war natürlich auch gleich mein Inventarinterface abgeschmiert und ich musste einen Neustart durchführen und das ist mir bei der 360 so noch nicht passiert.
Nun noch was positives. Die Grafik und die Stimmen – englische Sprachfassung – sind gut gelungen. Die Grafik ist klasse und der Sound, wenn auch leise abgemischt, super. Das Kombisystem ist toll und man kann viel Unfug damit machen. Das Spiel mit dem Feuer und das Feuer selber ist das beste was bisher in einem Videogame zu sehen war. Die Story ist actionorientiert und genau mein Ding. Dennoch überwiegen für mich die negativen Eigenschaften. Eden Games scheint, wie leider viel zu viele andere auch, keine Spieletester zu machen bzw. nur ungenügend. Das ist jedoch wichtig um ein Game auszubalancieren und ehrlich ist das DER einzige Weg in der Qualitätssicherung, den man gehen muss um eine Steuerung zu optimieren, Fruststellen zu glätten und Bugs auszumerzen. Ohne extensives Testen kommt so eine Steuerungskatastrophe heraus. Sorry Atari, aber damit wird es nichts werden. Ich hab den Blindkauf rückgängig gemacht und es getauscht, gegen LEGO Indiana Jones, denn da weiß ich, was ich bekomme.
Ich hoffe, das Eden Games seine Hausaufgaben macht und die PS3 Version von der Steuerung verbessert, denn dann hat wenigstens ein System ein Steuerungssystem, was der Story, Grafik und Sound ebenbürtig ist und dem Spieler das Erlebnis liefert, was er verdient.





